After Bob Ross

Cédric Eisenring · Bob Ross und die Farbe aus dem All 1+2, 2020, Ölkreide auf Samt, Keilrahmen mit Holzleisten, 140 x 170 cm, Ausstellungsansicht Museum im Bellpark, Kriens

Cédric Eisenring · Bob Ross und die Farbe aus dem All 1+2, 2020, Ölkreide auf Samt, Keilrahmen mit Holzleisten, 140 x 170 cm, Ausstellungsansicht Museum im Bellpark, Kriens

Hinweis

After Bob Ross

Kriens — Vor einem abstrakten Hintergrund aus bunten Farbverläufen schwebt ein überdimensionierter Teddy. Ausgemalt hat ihn die Künstlerin Tina Braegger mit dem Hausberg Luzerns, dem Pilatus. Mit diesen ineinanderfliessenden Farbflächen, die Assoziationen an einen Abendhimmel wecken, sowie mit dem Motiv des Bergs greift Braegger Motive auf, denen in der aktuellen Ausstellung ein grosser Auftritt beschieden ist: Bäume, Berge und der Himmel. Die ausgestellten Arbeiten sind aber nicht als Ode auf die Landschaftsmalerei zu lesen, sondern dem besonderen Dispositiv der Schau geschuldet. Auf Anfrage des Museums haben 30 Kunstschaffende Bilder eingereicht, die sie in Anlehnung an die Tutorials des US-Fernsehkünstlers Bob Ross (1942–1995) gemalt haben. So, wie Corona die Jahresplanung des Museums durcheinandergebracht hat, bringt das Ausstellungskonzept den Kanon der Kunst durcheinander: Mit Ross wird nämlich einer Persönlichkeit der Teppich ausgerollt, die vom modernen Kunstbetrieb nie offiziell anerkannt wurde. Mehr Unterhaltungscrack als Künstler ist Ross neben seiner Landschaftsmalerei aus der Konserve für Sätze wie «a happy little cloud that lives right here» oder «a happy little tree» bekannt. Mit solchen wiederkehrenden Aus­sagen hat er den Malprozess in seinen TV-Shows aus den Achtzigerjahren, die im Untergeschoss zu sehen sind, kommentiert. Die heitere Stimmung, die Ross in seinen Sendungen kreiert hat, wiederholt sich in den ausgestellten Arbeiten: So wirkt nicht nur Braeggers Riesenteddy wie eine unterhaltsame Parodie auf die ausnahmslos tier- und menschenlosen Bilder des Amerikaners. Auch Urban Zellwegers Bild eines in Nebel eingehüllten Nadelswaldes will mehr humorvolle Geste als gekonnte Malerei sein: Für diese Arbeit mit dem kuriosen Titel ‹The World of World is Forest› hat Zellweger kurzerhand Leinwand mit Pizzaschachtel getauscht. Mit diesem indus­triell produzierten Bildträger stellt der Künstler die Verbindung von Malerei und Fliessbandproduktion her, die Ross’ Bildern als nachzuahmende Vorlagen innewohnt. Die Signatur von Ross auf die Schippe nimmt indes der Künstler Marc Elsener. Sein winterliches Landschaftsgemälde unterschreibt er mit «Röbi Ross» – in knallroter Farbe wie Bob Ross. So stellt er nicht nur Fragen nach dem Verhältnis von Original und Kopie, sondern suggeriert, dass der Wert der Bilder von Ross eher in ihrer Qualität als leicht kopierbaren Vorlagen liegt als in ihrer künstlerischen Eigenständigkeit. Mit der Schau ‹After Bob Ross. Beauty is Everywhere› setzt das Museum dem oft angestrengten Kunstdiskurs etwas Auflockerndes entgegen. Gerade darin liegt auch die verbindende Kraft der ausgestellten Arbeiten: Statt komplexe Theoriediskurse anzustacheln, eignet ihnen eine Leichtigkeit, die erfrischt. 

Bis 
16.08.2020

→ Museum im Bellpark, bis 19.7. und 20.7.–16.8. (auf Anfrage) ↗ www.bellpark.ch

 
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