Brigitte Lustenberger

Brigitte Lustenberger · Don’t look now IV, 230 x 210 cm, 2015

Brigitte Lustenberger · Don’t look now IV, 230 x 210 cm, 2015

Brigitte Lustenberger · Is there an ending though?, 230 x 210 cm, 2019

Brigitte Lustenberger · Is there an ending though?, 230 x 210 cm, 2019

Hinweis

Brigitte Lustenberger

Monthey — Selbst ihren Bildnissen haftet etwas Flüchtiges an. Vor dem immer gleichen schwarzen Grund wirken sie beinahe unwirklich. Als könnten sie von genau jener Dunkelheit verschluckt werden, die sie umgibt. Sie nagt bereits an den Gesichtern und verschattet sie, scheint Schritt für Schritt von ihnen Besitz ergreifen zu wollen. So, als würden die Gesichter, schweift unser Blick kurz ab, mit ihm verschwinden. Oder als würden diese Bilder, umgekehrt, nur kurz aufblitzen im unablässigen Gedankenstrom kollektiver Erinnerungen. Sie kreisen, um es mit Nietzsche zu sagen, um «die ewige Wiederkehr des Gleichen»: Geburt, Wachstum, Verfall und Tod. Das macht sie zeitlos und gilt nicht nur für die Porträts der Berner Fotografin, deren Arbeiten längst international Beachtung finden. Das gilt auch und insbesondere für die zweite Werkserie der Installation, die Pflanzenstillleben. Wie gut beide Serien sich ergänzen, davon kann sich überzeugen, wer einen Ausflug nach Monthey, ins Walliser Chablais, unternimmt. Dort zeigt die Kuratorin Julia Hountou unter dem Titel ‹What is Love› 40 Fotografien Brigitte Lustenbergers (*1969) unter freiem Himmel und für den Zeitraum von zwei Jahren. Eine Dauerausstellung also, die im Sinne einer Retrospektive Einblicke in das Schaffen der letzten zehn Jahre eröffnet, für jedermann zugänglich, im öffentlichen Raum! Als Bildträger wurden unverwüstliche Lkw-­Planen gewählt, eingespannt in Metallrahmen, die im Boden fest verankert sind und bereits zwei Frühlingsstürmen standgehalten haben. Die Fotos sind Blow-ups im Plakatformat und messen jeweils ca. 2 x 2 Meter. Platziert wurden sie, doppelseitig bedruckt, in zwei lockeren Reihen am Hang des über der Stadt thronenden Parc de la Torma, der einen wunderbaren Fernblick über das Rhonetal bis zu den Alpengipfeln ermöglicht. Der heutige Park liegt auf dem Grund eines alten Friedhofs, an den noch einige wenige erhaltene Originalgrabsteine erinnern. Die beinahe skulptural wirkenden Fotosujets von Brigitte Lustenberger entfalten eine erratische Kraft und fügen sich in den Genius Loci ganz selbstverständlich ein. Sie verleihen dem Ort auch nach seiner Umwidmung eine angemessene Würde und bieten Raum für Besinnung und Kontemplation. Beindruckend! 

→ Parc de la Torma, Route de Morgins, bis 2022 ↗ www.crochetan.ch

Autor/innen
Mechthild Heuser
Künstler/innen
Brigitte Lustenberger

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