Hernan Bas — Interiors

Hernan Bas · The Monster Hunter (or, desperately seeking Nessie), 2020, Acryl, Inktransfers und ­Tempera auf Leinwand, 183 x 152,5 cm

Hernan Bas · The Monster Hunter (or, desperately seeking Nessie), 2020, Acryl, Inktransfers und ­Tempera auf Leinwand, 183 x 152,5 cm

Besprechung

Die rätselhaften Bildwelten von Hernan Bas erzählen von ­wunderlichen, vage gehaltenen, oft ins Paranormale kippenden ­Begebenheiten, die mit kulturhistorischen Allusionen gespickt sind. Nun widmet Peter Kilchmann dem erfolgreichen, farb­gewaltigen Maler die vierte Einzelausstellung.

Hernan Bas — Interiors

Zürich — Die grossformatigen Gemälde und Papierarbeiten von Hernan Bas (*1978, Miami) sind bevölkert von verträumten, androgynen jungen Männern, die sich in heruntergekommenen, baufälligen, viktorianisch angehauchten Innenräumen aufhalten. Sie interessieren sich für die skurrilsten Dinge: Sie jagen Monster, kommunizieren mit Poltergeistern oder lassen sich menschliche Skelette auf ihre eng anliegenden schwarzen Kleider drucken. ‹The Monster Hunter (or, desperately seeking Nessie)›, 2020, zeigt eine Szene aus dem Leben Steve Felthams, der mehr als sein halbes ­Leben, von 1991 bis 2019, versuchte, von seinem umgebauten Minibus aus einen Blick auf das sagenumwobene Monster von Loch Ness zu erhaschen. Der als Jüngling dargestellte Feltham sitzt lässig auf einem Plüschsofa, umgeben von einer überbordenden Fülle von Büchern und gerollten Karten. In der einen Hand hält er ein Fernglas, mit der anderen erzeugt er mit einer pantomimischen Geste den Schatten des Monsters. Vom Hang des Malers zum Paranormalen spricht auch ‹The curious case of Matthew Manning poltergeist›, 2020. Matthew Manning (*1955), ein britischer ­Autor und Heiler, der über parapsychologische Fähigkeiten verfügen soll, war als Kind im Familienhaus  ­angeblich einer Reihe von Störungen durch einen Poltergeist ausgesetzt – etwa als auf den Wänden seines Schlafzimmers über sechshundert Unterschriften von verstorbenen früheren Mietern des Hauses auftauchten. In den Gemälden von Bas sieht man die Wände vom Boden bis zur Decke mit Namen übersät, die der Künstler zum Grossteil nach ­fotografierten Originalen minuziös nachbildete. Davor kauert der junge Manning mit einem Kameraden auf einer Récamière in verträumter Zweisamkeit, während ein obskurer Schattenwurf von rechts über die Wand kriecht. Vielfältig sind die Quellen seiner Inspirationen, die neben Beobachtungen seiner Umgebung meist der Vergangenheit entstammen. Man denke nur an Instanzen wie Oscar Wilde, Charles Baudelaire oder Joris-Karl Huysman, deren Geschichten der Maler zu veranschaulichen sucht. Gleichzeitig beflügeln ihn Künstler wie Felix Gonzalez-Torres, Joseph Beuys oder John Baldessari. Diese Fragmente sampelt er in Anlehnung an seine Musikerfreunde an seinem Wohnort in Detroit und schafft so etwas unverkennbar Eigenes. Bas schildert eine Welt, die aus der Zeit gefallen scheint. Ihre Protagonisten verharren in einer Attitüde der Melancholie, frönen ihren Träumen, die noch nicht durch eine brutale Aussenwelt gefährdet sind. 

Bis 
14.08.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hernan Bas 13.06.202014.08.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Hernan Bas
Autor/innen
Dominique von Burg

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