Kunsträume — Salts, ein Gelände mit wachsendem Format

On Fire, 2019, Sicht auf die Ausstellungsräume draussen: links die Garage, rechts die neue Box vor dem Weissanstrich

On Fire, 2019, Sicht auf die Ausstellungsräume draussen: links die Garage, rechts die neue Box vor dem Weissanstrich

On Fire, 2019, Sicht auf die Ausstellungsräume draussen: links die Garage, rechts die neue Box vor dem Weissanstrich

On Fire, 2019, Sicht auf die Ausstellungsräume draussen: links die Garage, rechts die neue Box vor dem Weissanstrich

Mélodie Mousset, 2017, Installation für den Garagen-Ausstellungsraum.

Mélodie Mousset, 2017, Installation für den Garagen-Ausstellungsraum.

Mélodie Mousset, 2017, Installation für den Garagen-Ausstellungsraum.

Mélodie Mousset, 2017, Installation für den Garagen-Ausstellungsraum.

Body Splits, 2019, Ansicht Gelände, Wassertank-Ausstellungsraum.

Body Splits, 2019, Ansicht Gelände, Wassertank-Ausstellungsraum.

Body Splits, 2019, Ansicht Gelände, Wassertank-Ausstellungsraum.

Body Splits, 2019, Ansicht Gelände, Wassertank-Ausstellungsraum.

Twin Earth, 2019, Innenansicht, ­Ausstellungsraum im Bürobereich.

Twin Earth, 2019, Innenansicht, ­Ausstellungsraum im Bürobereich.

Twin Earth, 2019, Innenansicht, ­Ausstellungsraum im Bürobereich.

Twin Earth, 2019, Innenansicht, ­Ausstellungsraum im Bürobereich.

Fokus

Salts’ Kunst(t)räume sind divers, voller Ressourcen und sie ­reifen zukunftsorientiert ins Gestalten gegenwärtiger Fragestel­lungen. Salts ist Entwicklungsraum und Katalysator für neue künstlerische Ideen. Ausstellungen sind interdisziplinär, dia­logisch und sie verhandeln kontextualisiert das Kollektive – ­einzigartig und visionär. 

Kunsträume — Salts, ein Gelände mit wachsendem Format

Angefangen hat alles mit dem Umbau des heutigen Bürohauses – einer ehemaligen Metzgerei, die Samuel Leuenberger erbte und 2007 selbst bezog. Er verwandelte das Gebäude in einen Kunstraum, der 2009 eröffnet wurde. Zuerst fungierte er als privater Salon, in dem befreundete Kunstschaffende eingeladen waren, ihre Arbeiten vorzustellen. Hierzu wurden immer wieder Wände ver- und neu gesetzt, sodass jedes Werk, in den Wohnraum integriert, individuell seinen Platz finden konnte. Schliesslich wurde 2011 der Salts Kunstverein gegründet – und sehr früh unter anderem von Pro Helvetia gefördert. Salts befindet sich in einem Hinterhof in Birsfelden, ein paar Schritte über die Kantonsgrenze hinter Basel-Stadt und da, wo man einen Kunstraum nicht unbedingt erwarten würde. Er ist ein Juwel, das mit seiner Umgebung bricht und gleichzeitig eben genau hier, an dieser sonderbaren, industriell angehauchten Schnittstelle, zu glänzen beginnt. Mehrere Räume im Garten bilden einen vielseitigen Komplex, der zum Erkunden einlädt: ein umfunktionierter Garagen-Kunstraum, daneben ein grosser weisser Würfel – eigens für das 10-Jahr-Jubiläum im letzten Jahr neu gebaut –, ein farbiger Pavillon der venezolanischen Künstlerin Sol Calero und ein hölzerner runder Wassertank, der in dem üppigen Grün fast aussieht wie eine Waldhütte. Bisher haben hier insgesamt schon über achtzig Ausstellungen stattgefunden. Dabei kommen jeweils ganz unterschiedliche künstlerische Positionen vor Ort zusammen. Nach der Auswahl einer Künstlerin, des ersten Künstlers wird in Bezug darauf ein Gegenüber ausgewählt – meist begegnet dabei eine nationale einer internationalen Position. Es werden Gesten für einen der Räume beziehungsweise das ganze Gelände entworfen und darin entsprechend verortet. Es wird fast immer neu produziert und der Verein unterstützt die Künstlerinnen und Künstler mit reichlich Zeit und Ressourcen. Samuel Leuenberger kuratierte von Anfang an selbst. Der gebürtige Basler machte vor über zwanzig Jahren seinen Master in Bildender Kunst (London) und war danach an vielen internationalen Kunstinstitutionen kuratorisch tätig. Derzeit lehrt er unter anderem auch an der ZHdK in Zürich. Er berät als Ausschussmitglied das Basler Kultur­departement und ist verantwortlicher Kurator des Parcours der Art Basel. Von 2014 bis 2019 war Elise Lammer Co-Kuratorin im Salts und dabei eine entscheidende Mitgestalterin des gesamten Formats. Seit diesem Jahr kuratiert ­nun Benedikt Wyss mit Leuenberger – zusammen mit weiteren kuratorischen Begleitern, zum Beispiel Fabian Schöneich. Salts ist eine Plattform sowohl für kuratorische wie künstlerische Kollaborationen. Sie unterstützt vor allem junge Kreative, die kurz vor ihrem Durchbruch stehen, bietet ihnen die Chance, einen Austausch aufzunehmen sowie in dialogischen Einzelausstellungen aufzutreten. Während des Aufbaus wird das Bürogebäude von den Kunstschaffenden wieder als Wohnraum genutzt, wodurch ein gemeinschaftliches Flair entsteht. Die Prozesse während des Machens wirken sich so weiterführend auf die Atmosphäre der späteren Ausstellungserfahrung aus. Diese ist vor allem geprägt von einem Aufbruch ins Neue und Werdende. Für die Zukunft hat Salts grosse Visionen. Der Richtungswechsel fand in diesem Jahr statt und soll in nächster Zeit noch ausgeprägter und bewusster als zuvor das Kollektive in den Vordergrund der Konzeption rücken. Wie kann eine Überproduktion von künstlerischem Material vermieden und vermehrt durch einen Vorgang der künstlerischen Wissensgenerierung abgelöst werden? Neben einem verstärkten Fokus auf Gruppenausstellungen soll eine Art Forschungsraum für unterschiedliche Themenfelder entstehen, die jährlich durch neue Gastkuratierende gestaltet werden. Zusätzlich zum Salts in Birsfleden, das nun den Vermerk City bekommen soll, wird im September das Country Salts auf dem Land, dem neuen Zuhause von Leuenberger und seiner Partnerin – der Schweizer Künstlerin Claudia Comte – eröffnet: mit einem separaten Programm für Kultur abseits der Stadt, für Ausstellungen mit einem Bezug zur Natur – und für Workshops und Künstlerresidenzen. Country Salts ist darüber hinaus Gastgeber für das nächste ‹Camp Solong›: Eine kleine Gruppe von Kunstschaffenden lebt und arbeitet in experimentellem Modus eine Woche lang im Freien und ergründet dabei die Formen von individuellen Rollen im Kollektiv. Ausserdem soll ein virtueller Cyber-Salts-Raum entstehen. Die City-Ausstellung wird auf die Online-Ebene übersetzt und bekommt zusätzliche Gaming-Features. Ein Besuch der Plattform soll einem physischen und sinnlichen Erleben von Kunst so nahe wie möglich kommen. Dafür haben sich die Entwickler ganz Besonderes überlegt. Die Teilnehmenden können während des digitalen Rundgangs auditiv miteinander kommunizieren und sogar flirten. Wenn das nicht zeitgemäss ist! Salts vermittelt Visionen und verbindet diese mit den ganz reellen Einforderungen unserer Zeit. Das transitorische Denken der Kuratierenden, die ihre eigenen Stile immer wieder neu prüfen und erweitern, schafft in den komplexen und gut vernetzten Kunsträumen einen raren, aber dringend benötigten Nährboden – und viel Kapazität: für alle kommende Generationen im Feld von Kunst und Kultur.

Valeska Marina Stach, Lyrikerin und Künstlerin aus Berlin, lebt und arbeitet in Basel als freie Autorin und Prozessbegleiterin. valeskamarinastach@gmail.com

Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

→ ‹Based on a true story›, Salts in Birsfelden, bis 29.8.; Gruppenschau mit Raphael Linsi, ­Valentina Minnig, Tobias Spichtig, kuratiert von Cassidy Toner; Publikation zur Tätigkeit des Kunstvereins ­erscheint im September ↗ www.salts.ch

Bis 
29.08.2020
Institutionen Land Ort
City SALTS Schweiz Birsfelden
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Based on a True Story 04.07.202029.08.2020 Ausstellung Birsfelden
Schweiz
CH

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