Matthias Zurbrügg

Matthias Zurbrügg · LEBEN LIEBEN, 12. April 2020, Schriftgrösse 100 cm, Tannenholz

Matthias Zurbrügg · LEBEN LIEBEN, 12. April 2020, Schriftgrösse 100 cm, Tannenholz

Matthias Zurbrügg · ENDLICHKEIT ohne Ende, auf einem zukünftigen Gemeinschaftsgrabplatz, 13. März 2020, Schriftgrösse 200 cm, Tannenholz. Foto: Kaspar Hiltbrand

Matthias Zurbrügg · ENDLICHKEIT ohne Ende, auf einem zukünftigen Gemeinschaftsgrabplatz, 13. März 2020, Schriftgrösse 200 cm, Tannenholz. Foto: Kaspar Hiltbrand

Hinweis

Matthias Zurbrügg

Basel/Riehen — ‹ZEIT LOS LASSEN› ist eine Freiluftausstellung, die uns mitnimmt auf einen Spaziergang über einen Friedhof – und dabei Aphorismen-artige Sprachbilder in der Landschaft entwirft. Die Installation erstreckt sich über das gesamte Gelände und ­während des 3,4 km langen Rundgangs sind an unterschiedlichen Stellen immer wieder neue Wortforma­tionen (insgesamt 26) zu entdecken. Aufrecht vor einem stehend sind sie eindrücklich, kraftvoll, teilweise höher als ihre Betrachterin selbst. Hängend, liegend oder auf der Wasseroberfläche schwimmend, erscheinen sie wiederum leicht und schwebend. Wie werden Gedanken, Worte, Zeilen physisch, wie kann das unsichtbare, lyrische Erleben eines Ortes sich visuell wahrnehmbar in ihm einschreiben? Matthias Zurbrügg ­installierte Buchstaben, aus einzelnen Holzbrettern zusammengebaut, und wählte Begriffe, die thematisch die Atmosphäre des Friedhofs aufgreifen – seine vergängliche Stimmung vom Sichauflösen der Zeit («Endlichkeit») – die vom Wechsel zwischen «Kommen» und «Gehen» erzählt und die das «L(i)eben» hinterfragt. Andererseits wirken die Wortbilder in ihrer Positionierung auch auf die räumliche Situation ein. Sie scheinen sich an ihr zu orientieren und sie mitzugestalten. Zurbrügg studiert im Vorfeld die Orte, die er bespielen will, und entwickelt seine orthografischen Objekte stets aufgrund von genauen Ansichten. Sich in der Landschaft verortend, widerspenstig und zugleich sich anpassend sind diese Figuren. Durch ihr haptisches Sichtbarmachen des Aussen, wie der Witterung: rohes, sprödes Material – für poetische, philosophische Form(ulierung)en. Die Dramaturgie von Zurgrüggs Arbeit entsteht jedoch erst durch das Sichfortbewegen des Besuchers oder der Besucherin – durch das Puzzle, das sich nach und nach aus den einzelnen Textteilen zusammensetzen soll. Mit dem Gang über den Friedhof sammelt man diverse Momente eines Sichausdrückens des Ortes, seine Verbegrifflichung ein und versucht, diese mit dem eigenen Erleben abzugleichen. Das schafft eine besondere Art der Achtsamkeit – für das, was (wirklich da) ist. Durch den Bauch eines grosses «O» hindurch wird ein langer Weg in einen hölzernen Rahmen gesetzt, durch die Buchstaben werden Bildausschnitte kreiert und formen so die Umgebung neu: werkimmanent. Dabei entstehen ganz eigene Wegweiser – durch die Fragen, die leise, zwischen den Zeilen gestellt werden. «LEBEN LIEBEN» in einem Wort, im Wasser schwimmend, dient ab und an als Insel für Enten und Nilgänse. ENDLICHKEIT ohne Ende, steht auf einem zukünftigen Gemeinschaftsgrabplatz. Sobald es die Situation wieder erlaubt, sollen zusätzlich inszenierte literarische Spaziergänge stattfinden, bei denen der Schriftsteller und Schauspieler Matthias Zurbrügg Auszüge aus seinen selbstverfassten Texten lesen wird. 

Bis 
16.08.2020

→ Friedhof am Hörnli, bis 16.8. ↗ www.bs.ch

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