Michael Günzburger, Hans Erni — Faszination Technik

Michael Günzburger · Eisbär (Blatt A) 2017, Lithografie auf Papier, 75 x 105 cm

Michael Günzburger · Eisbär (Blatt A) 2017, Lithografie auf Papier, 75 x 105 cm

Michael Günzburger · Das Ende der Tierdruckreihe; Eisbär, Wildschwein, Biber (hoch und quer), ­Ausstellungsansicht. 08.11.

Michael Günzburger · Das Ende der Tierdruckreihe; Eisbär, Wildschwein, Biber (hoch und quer), ­Ausstellungsansicht. 08.11.

Besprechung

Mal kubistisch-abstrakt, mal surrealistisch mit einem Schuss Kitsch: Die Vielfalt von Hans Ernis Œuvre bietet diverse Anknüp­f­ungspunkte – auch zu zeitgenössischen Positionen. Dieses ­Potenzial möchte das Hans Erni Museum vermehrt nutzen und zeigt nun eine Schau mit Tierdrucken von Michael Günzburger.

Michael Günzburger, Hans Erni — Faszination Technik

Luzern — «Panzer haben meinen Weg zerstört, die Lehre habe ich gezogen, im ­Namen der Freiheit.» Hans Erni (1909–2015) hat seine Sympathien gegenüber dem Sozialismus 1956 explizit widerrufen. Rehabilitiert war der Künstler, der zur Zeit des Kalten Krieges als Kommunist galt, damit allerdings nicht. So erschien dem damaligen Direktor Alfred Waldis die Planung des Hans Erni Museums auf dem Gelände des Verkehrshauses so heikel, dass bis zum Medienauftritt 1977 – zwei Jahre vor Eröffnung – nur wenige davon wussten. Heute ist es nicht mehr das politische Etikett ­Ernis, das Sorgen bereitet, sondern dass der Künstler in Vergessenheit geraten könnte. Es entspricht ganz Ernis Leitspruch «panta rhei» – alles fliesst –, wenn das Museum daher als Gegenmassnahme neuerdings Sonderausstellungen mit zeitgenössischer Kunst präsentiert und so den Blick auf sein Schaffen sinnfällig erweitert. Den Spatenstich in diese Richtung markiert die Schau mit den Tierdrucken von Michael Günzburger (*1974), einem über zehn Jahre gewachsenen Werkkomplex, der hier erstmals gesamthaft präsentiert wird. Der Künstler und der Zürcher Steindrucker Thomi Wolfensberger – mit dem auch Erni zeitlebens zusammengearbeitet hat – haben eigens dafür ein neues Verfahren entwickelt, mit dem der Abdruck eines Tiers lithografisch festgehalten werden kann. Angefangen hatten sie einst mit Lammfellen und Feldhasen, den Höhepunkt und deklarierten Abschluss der Serie bildet der Abdruck eines Eisbären, für den das Duo bis nach Grönland gereist war. Die Arbeiten von zeichnerischer Qualität lassen sich als konservierte Berührungen der Tiere deuten. Indem Günzburger dafür auf Kadaver von wilden Tieren zurückgreift, deren Lebensgrundlage durch Klimawandel und Urbarmachung von Gebieten immer mehr zurückgedrängt wird, schwingt die Problematik der von Ausbeutung geprägten Beziehung zwischen Mensch und Tier mit. Von ähnlich kritischem Geist sind auch Arbeiten wie etwa das Plakat ‹Rettet das Wasser›, das Erni 1961 im Auftrag der Basler Chemiefirma Ciba AG schuf. Neben dem politischen und ökologischen Engagement des Künstlers klingt hier aber auch die Faszination für Wissenschaft, Technik und Kommunikation an: So auch in den vier Wandteppichen in Tufttechnik für die PTT. Kein Wunder, liess sich Erni sein Monument auf dem Gelände des Verkehrshauses erbauen.

Bis 
08.11.2020

→ ‹Michael Günzburger – Das Ende der Spur›, Hans Erni Museum, Verkehrshaus der Schweiz, bis 8.11.; mit umfangreichem Veranstaltungsprogramm ↗ www.verkehrshaus.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Michael Günzburger. Das Ende der Spur 01.06.202008.11.2020 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Autor/innen
Tiziana Bonetti
Künstler/innen
Hans Erni
Michael Günzburger

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