Olivia Wiederkehr — ‹yes!yes!yes!no!no!›

Olivia Wiederkehr · Yes Yes Yes, 2020, Probeaufbau/Atelieransicht. Foto: Sebastian Mayer

Olivia Wiederkehr · Yes Yes Yes, 2020, Probeaufbau/Atelieransicht. Foto: Sebastian Mayer

Olivia Wiederkehr · No No, 2020, Probeaufbau/Atelieransicht. Foto: Sebastian Mayer

Olivia Wiederkehr · No No, 2020, Probeaufbau/Atelieransicht. Foto: Sebastian Mayer

Besprechung

Klarere Gegensätze als «Ja» oder «Nein» sind nicht vorstellbar. Doch was bedeutet die Vervielfachung des Worts, welche Aus­sage verbirgt sich hinter dem veränderten Sprachrhythmus? Olivia Wiederkehrs Ausstellungstitel signalisiert mithin das ­Bedürfnis nach Verbindlichkeit und Positionsbezug.

Olivia Wiederkehr — ‹yes!yes!yes!no!no!›

Wil — Wer Olivia Wiederkehrs Arbeiten verfolgt, kommt nicht umhin, die Konsequenz und die Experimentierfreude zu bewundern, mit denen sie stets neue Wege findet, um existenzielle Fragestellungen wie beispielsweise Handlungsfreiheit oder politisch geprägte Raumkonzepte in sinnlich erfahrbare Formen zu überführen. Räumlichkeit respektive der einer Arbeit zugedachte Ort ist dabei der grundlegende Parameter, der von Wiederkehr (*1975, Zürich) unter dem Vorzeichen des Atmosphärischen hinterfragt oder in Szene gesetzt wird. Insofern bot die Einladung der Kunsthalle Wil und deren spezifisches Raumangebot der Künstlerin auch ein ideales Terrain, um der titelgebenden Entscheidungsfrage mit einem Setting zu begegnen, das räumliche Erfahrung, Sprache und Gegenständliches in ein erfahrbares Verhältnis zueinander bringt. Konkret ist das bereits vor der Ausstellung an den zwei Schrift-Objekten ablesbar, die in kantigen, weissen Versalien ein markantes, doppeltes «No» in die Vorhalle zeichnen. Das korrespondierende «Yes Yes Yes» stahlt einem dann beim Betreten des Raums in weich geschwungenen, gelben Lettern entgegen. Licht, genauer farbiges Licht als Faktor des Atmosphärischen tritt aber auch noch in anderer Form auf: Die vor Türen und Fenster angebrachten Folien tauchen die Raumsegmente in jeweils differenziert abgestimmte Farbklänge, wobei im Erdgeschoss Grün dominiert und im Obergeschoss Pink und Blau. Die skulptural-objekthaften Setzungen antworten mit haptischen und formalen Charakteristika auf die vorherrschende «Farbtemperatur». So suggeriert die weit ausschwingende Bodenarbeit im Erdgeschoss anhand ihres «Unterbaus» eine landschaftliche Struktur, eine weiche, hügelig ansteigende Rampe, deren spiegelnde Oberfläche ein bezauberndes Lichterspiel bietet. Zugleich – und auch dies ist ein Merkmal von Wiederkehrs Arbeiten – bleibt der erste Eindruck nur temporär, denn die Folie fungiert auch als Zerrspiegel, der die Suche nach Fixpunkten oder einem «treuen Abbild» konsequent unterwandert. Ebenso behauptet der modellhaft dimensionierte Sprungturm aus Karton seinen Ort in dem szenografischen Gefüge. Rein materiell betrachtet ist er der kühlen Sphäre des Obergeschosses zuzuordnen, verbindet aber aufgrund seiner Platzierung die beiden Stockwerke, verknüpft Leerraum und Boden, dynamische Bewegung und Landung. Es sind Objekte, die zu Handlungen verleiten; denen eine Beweglichkeit und unaufgeregte Präsenz innewohnt, so, als ob die Künstlerin ihr Denken nicht nur im abstrakt Gedanklichen, sondern in Material und Handlung überführt hätte. 

Bis 
16.08.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Olivia Wiederkehr 27.06.202016.08.2020 Ausstellung Wil
Schweiz
CH
Autor/innen
Irene Müller
Künstler/innen
Olivia Wiederkehr

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