Werner Casty — Valle Bollero

Werner Casty · Valle Bollero 1, 2019, Grafit auf Papier, 150 x 210 cm

Werner Casty · Valle Bollero 1, 2019, Grafit auf Papier, 150 x 210 cm

Werner Casty · Il Trapolo, 2020, Grafit auf ­Büttenpapier, 34,5 x 25 cm

Werner Casty · Il Trapolo, 2020, Grafit auf ­Büttenpapier, 34,5 x 25 cm

Hinweis

Werner Casty — Valle Bollero

Zürich — Werner Casty ist ein ­passionierter, unermüdlicher Wanderer, der meist das Bündnerland oder die Insel Elba durchstreift. Während seiner mehrtägigen Touren fotografiert und zeichnet er und trägt in letzter Zeit auch Kupferplatten mit sich. Beim Wandern, so teilt er mir mit, gewinnt er einen klaren Geist, was seine kreativen Prozesse begünstigt. Während er die Fotografien in seinen meist grossformatigen Grafitzeichnungen sehr frei interpretierend umsetzt, verfestigt sich durchs Skizzieren vorzugsweise mit Grafit eine Idee. Castys frühere Serien, etwa ‹Engadiner Passagen›, 2011, konzentrierten sich auf diverse verfremdete Bergabschnitte. Während ‹Julier›, 2013, im Fernblick verschneites Gebirge festhält, veranschaulicht ‹Schnee von Gestern›, 2015/16, partiell schneebedeckte Waldstücke, Wiesen und Äcker. ‹Brandung›, 2016–18, ist der eindrücklichen Gewalt von tosenden Meeresbrandungen gewidmet. In der neuesten Serie ‹Valle Bollero›, 2020, erfasst Casty vornehmlich das Licht, namentlich seine gleissende Dimension mit seiner formenauflösenden Tendenz. Die Auslassungen und Leerstellen in den Zeichnungen werden durch das Licht geformt und die Motive über den Schatten definiert. Durch die überbelichtet wirkenden Zeichnungen der Serie ‹Valle Bollero 1›, 2019, oder ‹Campo alle serre›, 2020, werden die topografischen Einzelheiten, den Boden bedeckende Blätter, Äste, Erde und Steine im Licht aufgelöst. Dies führt zu einer zunehmenden, als All-over gestalteten Abstraktion. Castys Landschaftsdarstellungen geben weder ideale, romantische Landschaften noch Empfindungslandschaften wieder, sondern sie zeichnen die Veränderungsprozesse der Natur mit dem Blick eines Biologen oder Geologen auf. Dieser Effekt ist auch den akribisch ausgearbeiteten Zeichnungen zu verdanken. Die minutiös in dichten, gleichgerichteten Strichen auf weisses Papier von Fotografien oder Skizzen übertragenen Motive heben sich von leer belassenen Stellen oder geschwärzten Flächen ab. Castys präzise und detaillierte Zeichentechnik erinnert an wissenschaftliche Methoden zur Untersuchung von Forschungsobjekten, etwa zur Pflanzenbestimmung. Nach dem Motto «Wie oben, so unten» entwirft der Künstler in der ‹Valle Bollero›-Serie Welten, die noch vor dem Menschen oder schon nach dem Menschen existieren. Für das posthumane Stadium sprechen die überbelichteten, menschenleeren Kompositionen, die zuweilen den Eindruck erwecken, als würde ein apokalyptischer Sturm über die Berglandschaften hinwegfegen. 

Bis 
11.07.2020
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
WERNER CASTY 27.06.202011.07.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Werner Casty

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