Whispering Walls — Home Sweet Home

Whispering Walls, Ausstellungsansichten mit Werken von Caterina de Nicola, Brigit Naef, 2020, ­Courtesy Last Tango, Zürich

Whispering Walls, Ausstellungsansichten mit Werken von Caterina de Nicola, Brigit Naef, 2020, ­Courtesy Last Tango, Zürich

Whispering Walls, Ausstellungsansichten mit Werken von Caterina de Nicola, Brigit Naef, 2020, ­Courtesy Last Tango, Zürich

Whispering Walls, Ausstellungsansichten mit Werken von Caterina de Nicola, Brigit Naef, 2020, ­Courtesy Last Tango, Zürich

Besprechung

Nahe Silo und Sihl, im Obergeschoss einer ehemaligen Zigarettenfabrik, hat der Kunstraum Last Tango den dritten Standort seit 2016 bezogen. Im einstigen Showroom einer Wandgestalterin spielen die Kuratorinnen in der Schau ‹Whispering Walls› die Ambivalenz um den Begriff des «Häuslichen» aus.

Whispering Walls — Home Sweet Home

Zürich — Einen Steinwurf vom Löwenbräu entfernt führt der Weg durch eine bunte Auslage von Terracotta-Hunden und Töpfen eines Deko-Shops – und dann eine ehemalige Zugangstreppe der Pan Am hoch: Hier befindet sich neu der Kunstraum Last Tango. Durch loftartige Fenster fällt Licht auf farbig modellierte Gipswände – Relikte der alten Verwendung als Showroom für Wandgestaltung. Linda Jensen und Arianna Gellini nutzen diese zum Auftakt am neuen Ort für ihre Gruppenausstellung ‹Whispering Walls›, indem sie das Ideal des «Heims» und des «Häuslichen» hinterfragen: «weibliche» Handarbeit, Dekoration oder die Überschreitung des guten Geschmacks. Ein zurückgebliebener Koffer mit den Wandmustern bildet dabei quasi das Leitmotiv. Am Eingang hängen die Lederarbeiten von Ilaria Vinci (*1991, Cisternino, lebt in Zürich), die an jene Spruchbänder erinnern, die oft mit Plattitüden wie «Home Sweet Home» beschriftet sind. Ihr eingebrannter Willkommensgruss «Welcome to the Nut House», von einem kecken Eichhörnchen flankiert, verweist jedoch doppeldeutig auf das Irrenhaus. Thematisiert Vinci das Kippmoment des privaten Glücks ironisch, geht es bei Caterina de Nicola (*1991, Ortona, lebt in Zürich) in ihrem Buchobjekt zur Sache. Eine Horrorstory mischt Sex, Gewalt und Körpersäfte, erzählt auf kleinen Papierschnipseln. Allerdings hängt das Buchobjekt auf einer bestehenden Wand, übersät mit rein dekorativen Texten – eine Verdoppelung, durch die es beinahe parodiert wird. Prominent besetzt ‹Faces and Vase›, 2020, den Raum, ein meterlanges Stahlobjekt von Tanja Roscic (*1980, Zürich). Es zeigt zwei Gesichter, einander zum Kuss zugeneigt.Die Umrisslinien formen zugleich eine Vase. Wie bereits in früheren Arbeiten integriert Roscic textile Elemente – Bäckchen aus Filz. Zudem verleihen die Tränen aus Glas und eine Sprechblase dem eigenartigen Objekt einen sentimental-träumerischen Charakter und wecken Assoziationen vom Kinderbuch bis zum Arts & Crafts Movement. Von Brigit Naef (*1962, Winterthur) hängt ein schwarz spiegelndes Objekt in Dreiecksform stirnseitig vor einer goldenen Wand. Es suggeriert eine besondere Haptik, eine Berührung verbietet sich jedoch aufgrund der Fragilität. Acht schwarze Bogen im Kreis am Boden, ‹Fleur du Mal›, 2016, erinnern ihrerseits eher an eine minimalistische Spinne. Dennoch, was industriell anmutet, sind schlicht perfekt lackierte Karton­oberflächen: An den faszinierenden Arbeiten von Näf, gelernter Buchbinderin und Konservatorin, lässt sich die Bewertung von Handwerk, Design und Dekoration in diesem spannenden Setting geradezu exemplarisch studieren. 

Bis 
15.08.2020

→ ‹Whispering Walls›, Last Tango, bis 15.8. ↗ www.lasttango.info

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Last Tango Schweiz Zürich
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Whispering Walls 19.06.202015.08.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

Werbung