Zart 2020

Germann/Lorenzi · Mit dem Kopf unter dem Arm flussabwärts, 2020, Pastell auf Verputz, ca. 7 m breit, ­Dreibeinskreuzkapelle, Solothurn. Foto: Urs Amiet

Germann/Lorenzi · Mit dem Kopf unter dem Arm flussabwärts, 2020, Pastell auf Verputz, ca. 7 m breit, ­Dreibeinskreuzkapelle, Solothurn. Foto: Urs Amiet

Leonie Contini · Cucuzzeide, 2020, diverse Kürbisgewächse, Weidenruten, ca. 7 x 3 x 2,8 m, kleiner Park Römerstrasse, Solothurn (realisiert von Yves Lavoyer). Foto: Urs Amiet

Leonie Contini · Cucuzzeide, 2020, diverse Kürbisgewächse, Weidenruten, ca. 7 x 3 x 2,8 m, kleiner Park Römerstrasse, Solothurn (realisiert von Yves Lavoyer). Foto: Urs Amiet

Hinweis

Zart 2020

Solothurn — Kunst im öffentlichen Raum ist in den letzten Jahren flexibler geworden. Wo man früher Denkmäler für die Ewigkeit errichtet hat, setzt man heute Akzente auf Zeit. Der Kunstverein Solothurn und das Haus der Kunst St. Josef organisieren dieses Jahr erstmals ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum mit Interventionen von nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern. ‹Zart 2020›, so der schmeichelnde Titel des Projekts, lockt mit 18 Beiträgen, die alle für den Standort Solothurn massgeschneidert wurden. Der Zürcher Künstler Christian Fürholz (*1976) verwandelt den Fussgängersteg unter der Rötibrücke in ein Musikinstrument. Der Steg wird von 16 Stahlträgern getragen, die mit der darüberliegenden Fahrbahn verbunden sind. Bei Verkehr auf der Röti­brücke gerät der Fussgängersteg in Schwingung. Mit einer Installation nimmt Fürholz diese Schwingungen auf und macht sie hörbar. Zudem offeriert Fürholz öffentliche Klang­spaziergänge durch Solothurn, die die Stadt auf akustische Weise erfahrbar machen. Die Solothurner Künstlerin Lea Fröhlicher (*1986) erinnert an die soziale Funktion, die Brunnen einst hatten, indem sie rund um den Brunnen an der Römerstrasse eine Art öffentliches Wohnzimmer einrichtet. Der aus Porrentruy stammende Künstler Romain Crelier (*1962) beschäftigt sich mit der barocken Kunst der Kirchengestaltung – für die es in Solothurn einige hervorragende Beispiele gibt. Crelier bespielt die Jesuitenkirche an der Hauptgasse mit einer betont schlichten Lichtinstallation, die die Farbklänge im prunkvollen Kirchenraum aufgreift und den Raum so auf neue Weise sichtbar werden lässt. Auch Monica Germann (*1966) und Daniel Lorenzi (*1963) reagieren auf einen sakralen Raum: Sie zeichnen mit Pastellkreide direkt auf die Innenwand der Dreibeinskreuzkapelle und referieren auf die Geschichte der beiden Thebäer Urs und Viktor – der Stadtheiligen von Solothurn. Diese wurden von den Römern aus religiösen Gründen enthauptet und in die Aare gestossen und seien mit dem Kopf unter dem Arm bei der Dreibeinskreuzkapelle an Land geschwommen. Sie waren übrigens nicht die einzigen, bis zu 66 Menschen sollen geköpft worden sein. Einen neuen, vielleicht ungewöhnlichen Zugang zu Orten und Räumen zu schaffen, ihre Geschichte, ihre Funktion, ihre Wirkung zu diskutieren – das ist als Möglichkeit in Kunst im öffentlichen Raum angelegt. In Solothurn ist das Organisationstrio Anna Bürkli, Reto Emch und Brigitte Müller eindeutig entschlossen, diese Möglichkeit auszuschöpfen. ‹Zart 2020› arbeitet mit einem überschaubaren Kreis von Kunstschaffenden, die sich intensiv und überzeugend mit der Stadt und den ihr eingeschriebenen Geschichten befasst haben.

Bis 
26.09.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
zart2020 04.07.202026.09.2020 Grossausstellung/Festival Solothurn
Schweiz
CH

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