Anna Göldi / Flucht aus Tibet

Anna Göldi Museum, Blick in die Daueraus­stellung, 2021

Anna Göldi Museum, Blick in die Daueraus­stellung, 2021

Manuel Bauer · Flucht aus Tibet, 1989

Manuel Bauer · Flucht aus Tibet, 1989

Hinweis

Anna Göldi / Flucht aus Tibet

Ennenda — Erhaben steht der Hänggiturm im Industriegebiet der Glarner Gemeinde und verweist auf die Zeit, als die Textilindustrie das Bild im Kanton prägte und in solchen Bauten Tücher zum Trocknen aufgehängt wurden. Der 1865 erbaute und 1987 abgebrochene Turm wurde fünf Jahre später wieder aufgebaut und unter Schutz gestellt. Seit 2017 ist hier das Anna Göldi Museum lokalisiert mit einer Dauerausstellung zur letzten in Europa als Hexe hingerichteten Frau.
Über der Schau schwebt eine grossartige Dachkonstruktion. Das Thema erschliesst sich hinter langen schwarzen Stoffbahnen mittels Dokumenten, Filmausschnitten und hängenden Hörstationen. Man erhält Einblick in die Herrschaftsverhältnisse des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in der wenige Familien das Sagen hatten und Gewaltentrennung unbekannt war. Die aus Sennwald stammende Magd hatte 1782 keine Chance auf einen fairen Prozess, der dafür dem Kanton Glarus einen Gewinn von über 754 Gulden bescherte. Anna Göldi wurde erst 2008 rehabilitiert.
Initiantin und Trägerin des Museums ist die ­Anna Göldi Stiftung, die sich auch für die Wahrung von Menschen- und Grundrechten einsetzt und unter diesem Schwerpunkt Wechselausstellungen präsentiert. Dieses Jahr sind das zwei Fotostrecken mit Schwerpunkt Tibet. Der Fotograf Manuel Bauer (*1966, ­Zürich) lässt uns an der Flucht der damals sechs Jahre alten Yangdol teilhaben, die mit ihrem Vater während 20 Tagen über den 5716 m hohen Nangpa-Pass und Nepal nach Indien zieht, wo ihnen korrupte Beamte die von der UNO bezahlten Sitze im Bus wegnehmen. Ihre Familie und ihre seit 1950 von China besetzte Heimat haben sie seither nicht mehr gesehen.
Ein Flüchtling war auch der auf Sri Lanka als Journalist tätige Sasi Subramaniam (*1974), der 2008 in die Schweiz kam und heute im Glarnerland als Fotograf arbeitet. Er spürte mit seiner Kamera dem Leben von teilweise seit Generationen hier lebenden Exil-Tibetern nach und zeichnet deren Weg von der Ankunft über das Bewahren ihrer Traditionen bis zur Teilnahme am Schweizer Kulturleben auf. Durch den Abschluss des Freihandelsabkommens mit China hat sich die einst grosszügige schweizerische Aufnahmerpraxis für geflüchtete Tibeter ins Gegenteil verkehrt.
Das mit viel Engagement betriebene Museum ist mit einem kleinen Fussmarsch ab Glarus entlang der Linth oder ab Ennenda durch das Dorf erreichbar. Ab Zürich fährt die S25 stündlich direkt, weitere Verbindungen gibt es ab Ziegelbrücke. 

Bis 
14.11.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Flucht aus Tibet 01.04.202122.08.2021 Ausstellung Ennenda
Schweiz
CH
Künstler/innen
Manuel Bauer
Autor/innen
Thomas Schlup

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