Erker — Galerie, Edition und Verlag

Günther Förg · Maske, 1990 (links); ohne Titel, 1994 (Bronzeplastiken); Washington Square III, 2000 (im ­Hintergrund), Ausstellungsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Günther Förg · Maske, 1990 (links); ohne Titel, 1994 (Bronzeplastiken); Washington Square III, 2000 (im ­Hintergrund), Ausstellungsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

v.l.n.r.: Hans Arp · Die Nabeltochter, 1957; Entre Lys et défense, 1958; Orou/Oru, 1953; Henry Michaux · Peinture à l’encre de Chine; Ohne Titel, o. J., Ausstellungsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

v.l.n.r.: Hans Arp · Die Nabeltochter, 1957; Entre Lys et défense, 1958; Orou/Oru, 1953; Henry Michaux · Peinture à l’encre de Chine; Ohne Titel, o. J., Ausstellungsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Besprechung

Die St. Galler Erker-Galerie stand für einen weltoffenen, dialogischen Umgang in der zeitgenössischen Kunst der Nachkriegsmoderne. Teile aus dem Galerienachlass und die private Sammlung der zwei Galeristen wurden dem Kunstmuseum St. Gallen übergeben und sind nun erstmals im Überblick zu sehen.

Erker — Galerie, Edition und Verlag

St. Gallen — Das Kunstmuseum St. Gallen wurde von der Stiftung Franz Larese (1927–2000) und Jürg Janett (1927–2016) immer wieder reichhaltig beschenkt. Neben den grafischen Werken und raren Büchern aus dem Nachlass der Galerie überliess sie dem Museum 2005, 2007 und 2017 Teile der bedeutenden Privatsammlung der beiden Galeristen. Diese Werkgruppen ergänzen – so der Direktor und Kurator der aktuellen Präsentation Roland Wäspe – die bestehenden Sammlungen des Kunstmuseums St. Gallen zur Nachkriegsmoderne in einer bedeutsamen Weise.
Der Kreis der Kunstschaffenden der Erker-Galerie – von Hans Arp bis Serge Polia­koff, von Antoni Tàpies und Guiseppe Santomaso bis Piero Dorazio – steht für hohe künstlerische Qualität in der abstrakt-konkreten Malerei und Skulptur. Die Doppelbegabten wie Friedrich Dürrenmatt, Henri Michaux und Eugène Ionesco bereichern die Werke der Editionen, die einen Dialog zwischen Bild und Schrift, Druckgrafik und Bibliophilie anstreben. Die Idee der Zusammenführung von bedeutenden Autoren und wichtigen zeitgenössischen Kunstschaffenden war äusserst fruchtbar. Galerie, Presse und Verlag Erker bildeten bis zu ihrer Schliessung 2014 einen Kreativraum, der ästhetische Haltung mit intellektueller Brillanz verband. Exponenten des Expressionismus, der klassischen Moderne, der Seconde École de Paris, des Tachismus und Informel in Südeuropa waren die Basis der Tätigkeit der beiden Galeristen, welche ab 1958 in einer grossartigen Fülle von Ausstellungen, Editionen und Büchern kulminierte. In der Erker-Galerie wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren in Zusammenarbeit mit dem Lithografen Urban Stoob wegweisende druckgrafische ­Werke und Einzelblätter geschaffen. Legendär waren auch die Erker-Treffen, welche die Kunstschaffenden und Autoren in Gruppen zusammenbrachten und zu neuen Kreationen inspirierten. Die Qualitätsmassstäbe waren hoch. Von den jungen Zeitgenossen schafften es nur Günter Förg und der Bildhauer Peter Kamm in den illustren Kreis. Auch die Sammlung der beiden Stifter zeugt von dieser Haltung.
Die Schau zeigt sinnig gestaltete Dialoge zwischen den Werken der Künstler in den einzelnen Räumen, in die sich Fotografien zur Geschichte der Erker-Galerie von Franziska Messner-Rast und Franz Larese einflechten. Hinzu kommt eine in der Vorhalle aufgebaute grafische Präsentationsmappe und Präsenzbibliothek: weitere bibliophile Leckerbissen liegen zum Anschauen und Schmökern bereit. 

Bis 
21.11.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
ERKER 27.02.202121.11.2021 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH

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