Jacques Chessex

Jacques Chessex · La Chattemite et ses suites, 2002, Tusche, Deckfarbe und Collage aufZeitungspapier, 47 x 32 cm © ProLitteris. Foto: Agence du Lion d’Or, Perroy

Jacques Chessex · La Chattemite et ses suites, 2002, Tusche, Deckfarbe und Collage auf
Zeitungspapier, 47 x 32 cm © ProLitteris. Foto: Agence du Lion d’Or, Perroy

Jacques Chessex · Lettre au crâne, Deckfarbe, Acrylfarbe, Collage auf Packpapier, 18 x 26 cm © ProLitteris. Foto: Agence du Lion d’Or, Perroy

Jacques Chessex · Lettre au crâne, Deckfarbe, Acrylfarbe, Collage auf Packpapier, 18 x 26 cm © ProLitteris. Foto: Agence du Lion d’Or, Perroy

Hinweis

Jacques Chessex

Buchillon — Als Jacques Chessex (1934, Payerne–2009, Yverdon-les-Bains) in der Galerie von Jean Planque in Lausanne 2000 erstmals Zeichnungen und Collagen ausstellte, jagten sich die begeisterten Kommentare, dass im Schriftsteller auch ein Maler schlummern würde. Die Gedichte, Romane und Essays des im Dauerregen französischer Preise beinahe erdrückend wahrgenommenen Intellektuellen bleiben jedoch unvergleichlich universeller und komplexer. Dennoch mindert dieser Befund die Spannung und Frische seiner visuellen Schöpfungen kaum, wie nun eine Ausstellung in der neuen Galerie Aarlo u Viggo zeigt. Nach der Sichtung des bildnerischen Nachlasses durch den Künstler und Kurator, Autor und Editor Jean-Marie Reynier (*1983, Lugano) vereinigt sie hundert serienhafte Blätter von 1998 bis zum Tod von Jacques Chessex. Dieser zeichnete jeden Morgen auf den ins Haus geflatterten Umschlägen, Zeitungen und Zeitschriften eine weitere Szene zu den Geschichten seiner auch im literarischen Werk präsenten Figuren «Minotaure» und «Chattemite». Darüber hinaus tauchen oft Collagen mit einem Mix aus kommunistischen Ikonen, christlichen Votiven und primitiven Fetischen auf. Dominierendes Stilmerkmal ist dabei eine breite weiche Umrisslinie aus Tusche. Kolorierung in weissen sowie vornehmlich warmen Deckfarben dramatisieren die Motive und in den überall eingeflochtenen Lautmalereien fliessen die Umrisslinien unvermittelt in Kalligrafie über.
Diese aus Kubismus, Dada, Art brut schöpfenden ritualisierten Zeichnungen, mit denen sich Chessex auf äusserst sinnliche Weise in das schon rein materiell sprödere Schreiben mit der Feder oder der Maschine tanzte, wollen offenbar eher gelesen als gesehen werden. J.-M. Reynier hat sich in einem poetischen Begleittext die Frage gestellt, mit welchem der Protagonisten sich Chessex am ehesten identifiziert haben mag, und hält gleichzeitig dessen Kritikern vor, ihn als selbstbezogenen «Minotaure» abgestempelt zu haben. Dabei habe Chessex mit der von ihm stets skelettiert dargestellten Bestie die bürokratischen Wächter der helvetischen Unkultur der Missgunst und der Eifersucht gemeint, deren Klauen er immer wieder als schelmische, buhlerische «Chattemite» entkommen und zu neuem Schaffen aufgebrochen sei. Vielleicht kann man aber die doch sehr oft Politik und Religion berührenden Szenen auch als einen immer wieder neuen inneren Spannungsaufbau zwischen Ego und Selbstvergessenheit, Geschichte und Allgemeingültigkeit verstehen. 

Bis 
31.07.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Jacques Chessex 15.04.202131.07.2021 Ausstellung Buchillon
Schweiz
CH

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