Klodin Erb, Katja Schenker — Wandlungsmeisterinnen

Klodin Erb · Here Comes the Sun Between the Wings, 2020, Tusche, Pigmente, Öl, Acryl und Sprayfarbe auf Leinwand, 195 x 240 cm

Klodin Erb · Here Comes the Sun Between the Wings, 2020, Tusche, Pigmente, Öl, Acryl und Sprayfarbe auf Leinwand, 195 x 240 cm

Katja Schenker · Satka, 2019, Videoperformance, 3’28’’ (Loop), Edition 3 + 1 AP. Foto: Severin Kuhn

Katja Schenker · Satka, 2019, Videoperformance, 3’28’’ (Loop), Edition 3 + 1 AP. Foto: Severin Kuhn

Besprechung

Die Malerin Klodin Erb figuriert seit einiger Zeit im Programm der Zürcher Galerie Lullin + Ferrari. Zu Gast ist dort aktuell auch die Performerin und Installationskünstlerin Katja Schenker. In ihren neu erweiterten Räumlickeiten gelingt den Galeristen eine glückliche Paarung der beiden unterschiedlichen Positionen.

Klodin Erb, Katja Schenker — Wandlungsmeisterinnen

Zürich — Durch die zwei grossen linken Scheiben der Galerie Lullin + Ferrari leuchten munterbunte überdimensionale Bilder, gestisch, ausladend, selbstbewusst. Klodin Erbs Acrylgemälde ‹Here Comes the Sun Between the Wings›, ‹Durchbruch› und ‹Erden Eier kommen selten alleine› zeigen sich als einladendes Triptychon, das den bösen Corona-Geistern gewitzte Gegenmächte entgegenschleudert. Ganz anderes sieht man hinter den zwei grossen Scheiben rechts bei Katja Schenker. Das Licht, bei Erb heiter reflektiert, wird hier von einem von der Decke mitten in den Raum gehängten Rechteck gnadenlos geschluckt. Hier wie dort triggern die Künstlerinnen die Neugier der Passantinnen und Passanten. Hier die ausgebreiteten Arme, dort der Sog des Numinosen, der dunklen Materie, die sich bei Schenker als rot pigmentierter Beton herausstellt, der in einem Rahmen auf dem Boden in ein Nylonnetz gegossen, getrocknet, darin in handtellergrosse Einzelteile zerbröselt wurde und, vorn dunkel glänzend, hinten stumpf den Eingangsraum behauptet.
Schenker spielt in ‹Haus›, 2021, gewitzt mit den Materialeigenschaften Beton, flüssig, fest, dem Gegensatz stabil, instabil und setzt dem im nächsten Raum mit der Videoperformance ‹Satka›, 2019, noch eins obendrauf. Auch hier hängt die Leinwand diagonal in den Raum. Die Projektion ist zweiseitig zu sehen, ein schwindelerregender Tanz der Künstlerin im Kreis, ein elegantes Gleiten wie auf Kufen, das ihr eine trapezförmige Vorrichtung in den Händen ermöglicht. Doch das stellt sich als ­Illusion heraus. Nicht wir stehen im Zentrum der Bewegung, sondern die Künstlerin. Die trapezförmige Vorrichtung sind Schnüre, an denen eine Kamera befestigt wurde, die Schenker wirbelnd im Kreis drehte. Während alles, die Performerin, die Wüstenlandschaft und mit ihnen die Betrachter in atemlose Bewegung geraten, bleibt der einzig ruhige Punkt im Bild der vom Auge der Kamera fixierte Knoten der Schnüre. Von dort ist es nur ein vermeintlich grosser Schritt zur lebensbejahenden Malerei Klodin Erbs in den Nachbarkabinetten. Denn auch sie spielt mit ihren sicher gesetzten Farbwirbeln mit der Vorstellungskraft ihres Publikums. Abstrakte Farbfelder wie in ‹Parade›, 2021, mutieren zu Monstern, dehnen sich zu Keimen, Ruten, Ästen aus und verwachsen in einen Blütenstaubhimmel. Und umgekehrt, das Figurative kippt ins Abstrakte, Unbestimmte, wie in ihrer Serie ‹Kräfte und Säfte›, 2021, in der sie wandlungsmächtige Alraunen auf Japanpapier paradieren lässt. Schenker und Erb, Wandlungsmeisterinnen, eine glückliche Paarung, die nicht versäumt werden darf. 

Bis 
24.07.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Klodin Erb 27.05.202124.07.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Katja Schenker 27.05.202124.07.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Klodin Erb
Katja Schenker
Autor/innen
Max Glauner

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