Past / Present

Melik Ohanian, Liliana Moro, Mnamsal ­Siedlecki, Elisabetta Benassi, Melik Ohanian (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Galerie Michela Negrini, 2021 © ProLitteris

Melik Ohanian, Liliana Moro, Mnamsal ­Siedlecki, Elisabetta Benassi, Melik Ohanian (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Galerie Michela Negrini, 2021 © ProLitteris

Elisabetta Benassi · Atlas Shrugged, 2018–2021, Courtesy Magazzino, Roma und Galerie Michela Negrini

Elisabetta Benassi · Atlas Shrugged, 2018–2021, Courtesy Magazzino, Roma und Galerie Michela Negrini

Hinweis

Past / Present

Lugano — Keine hundert Meter von den Luganeser Privatbanken entfernt befindet sich die Galerie Michela Negrini in einer ehemaligen Garage. Der Eingangsbereich präsentiert sich als Mix aus Depot, Showroom und Arbeitsraum. Die Stimmung von Verunsicherung durch die lange pandemiebedingte Zwangspause ist deutlich spürbar. Wie weiter? Woher die Kraft nehmen, um der einst eingeschlagenen konzeptuellen Linie treu zu bleiben? Die Zeitwahrnehmung hat sich verschoben, die Gegenwart wurde zu einem Loop, Vergangenheit und Zukunft sind in die Ferne gerückt. Wie setzen sich vier Kunstschaffende aus Italien, Frankreich und den USA mit der veränderten Zeitempfindung auseinander? Elisabetta Benassi durchbohrt mit einem Palmwedel – einem Siegessymbol – das Buch ‹Atlas wirft die Welt ab› von Ayn Rand, in dem das souveräne Individuum gefeiert wird: Individuelle Rettung versus kollektive Katastrophe. Gleich davor liegen Liliana Moros weiss bemalte gigantische Granatäpfel aus Keramik, kombiniert mit einem getrockneten Mispelblatt. Die unförmigen Kugeln mit einem Durchmesser von etwa einem halben Meter erinnern stark an die ‹Concetti spaziali›, die runden Bronzeskulpturen von Lucio Fontana. Die Künstlerin erweitert die Raummeditation um den Faktor Zeit, indem sie sich für die spezifische Zeit des Materials interessiert, vom Formen über den Trocknungsprozess bis zum Brennen der Tonfiguren. Während die Granatäpfel den Zyklus von Leben und Tod symbolisieren, signalisiert der Mistelbaum Lebenskraft und Energie. In seinen Werken untersucht der französische Künstler Melik Ohanian das Zeitmoment in der bildnerischen Darstellung der Fotografie. In seinen ‹Cesium Series› hält er den Übergang und somit die Zeitspanne zwischen dem flüssigen und dem festen Zustand von Cäsium fotografisch fest. Der jüngste der beteiligten Künstler, Mnamsal Siedlecki, hat hölzerne Ex-voto-Statuen in Silber gegossen. Das Silber stammt aus den nicht verwendbaren Silbermünzen in der Fontana di Trevi in Rom, die er im Vatikan erstanden hat. Diese Ausstellung plädiert dafür, dass uns die ausgedehnte und verlangsamte Zeit der (Kunst-)Erfahrung – die wir in diesem Jahr gewonnen haben – erhalten bleibe! 

Bis 
10.09.2021

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