Vivian Greven und Not Vital — Dialog in der Villa Langmatt

Vivian Greven · Ausstellungsansicht Museum Langmatt, Baden, 2021

Vivian Greven · Ausstellungsansicht Museum Langmatt, Baden, 2021

Not Vital · Ausstellungsansicht Museum Langmatt, Baden, 2021 (Werkgruppe von 2018)

Not Vital · Ausstellungsansicht Museum Langmatt, Baden, 2021 (Werkgruppe von 2018)

Besprechung

Dem Museum Langmatt liegen Dialoge zwischen Impressionismus und aktueller Kunst am Herzen. Vivian Greven und Not ­Vital bauen derzeit eindringliche Brücken zu gesellschaftlichen ­Fragen und pflegen einen ungewöhnlichen Umgang mit dem Kulturgut des einstigen Sammlerpaars Sidney und Jenny Brown.

Vivian Greven und Not Vital — Dialog in der Villa Langmatt

Baden — Zwei Ausstellungen in der grossbürgerlichen Villa Langmatt und ihrem Park laden zum Nachdenken und Verweilen ein. Wie geht Not Vital (*1948, Sent), der Schlossherr von Tarasp und zugleich einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, mit der Sammlung um? Den Nomaden – er lebt in Beijing, Rio de Janeiro und Sent – faszinieren Stücke aus der chinesischen Han-Dynastie (206 v. Chr.–210 n. Chr.). Zu fünf erdtonigen Keramikgrabbeigaben – Töpfe, ein Schaf und ein Schweinestall − setzt er mit seinen 2000 Jahre jüngeren Keramikskulpturen einen Kontrapunkt auf Augenhöhe. Seine Objekte, die er in China produzieren liess und die teils mit feinen Kanneluren durchsetzt sind, muten hier wie antike Grabstelen an. Allerdings weisen sie Trocknungsrisse und roh belassene Stellen auf und wirken in ihrer fehlenden Perfektion ästhetisch und hässlich zugleich. Ihre statische und organische Anmutung findet sich auch in drei Heuballen in weiss lackiertem Edelstahl. Zwei davon unterwandern die Ordnung des akkurat geschnittenen englischen Gartens, während das dritte Objekt vergnüglich in einer Wildblumenwiese Platz gefunden hat.
Die jüngere Vivian Greven (*1985, Bonn) ist in Deutschland eine gefeierte Malerin. Nun zeigt sie im Museum Langmatt ihre erste Einzelausstellung hierzulande. Ihre Bildserien fussen auf klassizistischen Skulpturen und Gemälden. In den aktuell gezeigten Werken greift sie auf Antonio Canovas Skulptur ‹Amor und Psyche› zurück: In weichen geschwungenen Linien und scharf gezogenen Konturen moduliert sie fragmentierte Körper sowie Paare, die sich berühren, umarmen und küssen. Doch schnell kippt die sinnlich-erotische Begegnung in abstrakte Zeichenflächen und Leere. Warum trifft Grevens paradoxe Bildsprache jetzt den Nerv der Zeit? Vielleicht weil sie die Beziehungen von heute spiegelt: die Suche nach Nähe und die Unerreichbarkeit eines medial vermittelten idealen Gegenübers. In dieser Diskrepanz macht sich Unterkühlung breit, beseelte und intime Momente werden brüchig.
Wer mehr über die einstige Langmatt erfahren möchte, kann im 2021 eröffneten Präsentationsraum in Archivalien eintauchen. Postkartengrüsse von Dienstboten an die Browns bezeugen eine langjährige Verbundenheit. Und wer nichts von Jenny Browns Malbegabung wusste, begegnet ihr im rekonstruierten Atelier. 

Bis 
22.08.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Not Vital — Dialoge mit Park und Sammlung 30.05.202122.08.2021 Ausstellung Baden
Schweiz
CH
Vivian Greven 30.05.202122.08.2021 Ausstellung Baden
Schweiz
CH
Künstler/innen
Vivian Greven
Not Vital
Autor/innen
Ursula Meier

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