Bridget Riley — Begegnung mit Farbe

Bridget Riley · Saraband, 1985, Öl auf Leinen, 166,4 x 136,5 cm

Bridget Riley · Saraband, 1985, Öl auf Leinen, 166,4 x 136,5 cm

Besprechung

Wie Bridget Riley in Ägypten auf Farben stiess, die eine entscheidende Wende in ihrem langjährigen Œuvre auslösten, macht eine fokussierte Werkschau von Studien und Gemälden erfahrbar. Bildkonzepte und Werkprozesse, aber auch die Sinnlichkeit ihrer Bilder kommen so auf neuartige Weise zur Geltung.

Bridget Riley — Begegnung mit Farbe

Bern — Wer in der aktuellen Ausstellung von Bridget Riley (*1931) im Zentrum Paul Klee nach ihren schwarz-weissen, optisch illusionistischen Bildern Ausschau hält, wird kaum fündig. Denn auf die bekannten, der Op Art zugeschriebenen Werke der englischen Künstlerin wurde hier gänzlich verzichtet. Die Ausstellung fokussiert dagegen auf eine Werkperiode, die mit Rileys Entdeckung der «ägyptischen Farbpalette» in den 1980er-Jahren einsetzte. Die so reduzierten wie raffinierten Kompositionen wirken jedoch ebenso stimulierend wie die erstgenannten Gemälde – ganz im Sinne von Rileys Credo, dass es beim Betrachten ihrer Bilder hauptsächlich um einen «Akt des Sehens und die Freude an der visuellen Auseinandersetzung» gehen soll.
Dabei kam sie eher zufällig zur Farbe, während eines Zwischenstopps in Ägypten auf einer Reise nach Tokio im Winter 1979/80. Hier beeindruckte sie die Vielfalt alt-ägyptischer Wandmalerei mit ihrem beschränkten, jedoch stimmigen Farbenspektrum aus Türkis, Blau, Rot und Gelb. Zurück in London, adaptierte sie die «ägyptische Palette» für ihre Arbeit, ergänzte sie um Schwarz und Weiss und schuf zunächst nur Streifenbilder in wechselnden Farbkombinationen. Zu den ersten zählt beispielsweise ‹Ka 6›, 1980, der Auftakt zur Berner Ausstellung. Später kamen weitere Farbtöne hinzu, doch schon zu Beginn wird deutlich, welch unterschiedliche Wirkungen die Künstlerin durch bestimmte Farbabfolgen erzielte: Mal sind es geradezu harte Kontraste, ein buntes Neben-, Vor- und Hintereinander; mal erzeugen sie ein Flimmern oder einen Schleier bunten Graus, ähnlich einem pointillistischen Gemälde. Tatsächlich setzte sich Riley intensiv mit Künstlern jener Stilepoche wie Seurat oder Cézanne auseinander; übrigens auch mit Paul Klee. Zusehends öffnen sich ihre Bildflächen dann zu Bildräumen. Vertikale treffen auf diagonale Strukturen und mutieren zu «rhomboiden Gemälden», und Kreissegmente bilden sogenannte Kurvengemälde.
Wie die Bilder ist die Schau wohl durchdacht und erfolgte in enger Zusammenarbeit der Künstlerin mit ihrer eigenen Kuratorin, Susanne A. Kudielka, und Martin Waldmeier vom Zentrum Paul Klee. Anhand der Bildfolge sowie zahlreicher Originalentwürfe wird ebenso Rileys präzis angeleiteter Werkprozess ersichtlich, denn die Studien und Gemälde werden stets von Assistent:innen ausgeführt. Nicht zuletzt dank der analogen Verfahren und des Realitätsbezugs der Werke – Titel wie ‹Saraband›, 1985, ‹Bloom› oder ‹Temple Music›, je 1987, machen es deutlich – erhalten die Bilder ein Eigenleben und werden sinnlich erfahrbar.

Bis 
21.08.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Bridget Riley: Looking and Seeing, Doing and Making 10.06.202221.08.2022 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Marc Munter
Künstler/innen
Bridget Riley

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