Liz Larner — Mäandern zwischen Gegensätzen

Liz Larner · below above, Ausstellungsansichten Kunsthalle Zürich, 2022. Foto: Annik Wetter

Liz Larner · below above, Ausstellungsansichten Kunsthalle Zürich, 2022. Foto: Annik Wetter

Liz Larner · below above, Ausstellungsansichten Kunsthalle Zürich, 2022. Foto: Annik Wetter

Liz Larner · below above, Ausstellungsansichten Kunsthalle Zürich, 2022. Foto: Annik Wetter

Besprechung

Das Schaffen der in Los Angeles lebenden Künstlerin Liz Larner lässt sich nicht so einfach fassen. Ihre Skulpturen verbindet ein ausgeprägter Sinn für Material und Form, aber auch Geschichten. In der Kunsthalle Zürich kommt eine Ahnung davon auf, mit einer anderen Zeitlichkeit konfrontiert zu werden.

Liz Larner — Mäandern zwischen Gegensätzen

Zürich — ‹above›, im oberen Stock der Kunsthalle Zürich, sind 13 Skulpturen aus Keramik an den Wänden angebracht. Sie rahmen eine Auswahl von in den Raum gesetzten Skulpturen der kalifornischen Künstlerin Liz Larner (*1960), die zwischen 1988 und 2020 entstanden sind. Die Wandobjekte zeigen Studien, in denen sie Grenzen und Möglichkeiten von Keramik durch unkonventionelle Techniken und Materialien auslotet: Die ausgefransten Ränder sind genauso roh, wie die seidig schimmernde Glasur Resultat einer sorgfältig ausgestalteten Idee ist. Sorgfältig glasiert oder bewusst «verunreinigt» mäandern die Objekte zwischen Schönheit und Versehrtheit.
Wenden sich Betrachter:innen von den Wänden ab, werden sie von der sorgfältigen Setzung der grossen wie auch mikroskopisch kleinen Arbeiten durch Korridore geführt. Ob inmitten der unheimlich figurativen, an Kettchen hängenden Hände aus Zinn der Installation ‹Hands›, 1994, oder zwischen den blauen Paneelen und dem flauschig-orangefarbenen Gerippe von ‹Corridor Orange/Blue›, 1991, hindurch, können verschiedene Perspektiven eingenommen werden. Die geschaffenen Übergänge ermöglichen neue und nahe Blickwinkel auf Larners Schaffen, das sich bewusst einem einheitlichen Stil entzieht. So versucht ‹below above›, der Titel der Ausstellung, Larners Praxis als inhaltliches Pendeln zwischen Gegensätzen zu fassen.
Im unteren Stock der Ausstellung – ‹below› – wird eine weitläufige Bodenskulptur bestehend aus den Werkgruppen ‹Meerschaum Drift› und ‹Asteroids›, 2020/21, gezeigt. Erstere ist eine Übersetzung des angesammelten Plastikmülls, den die Künstlerin und ihr Umfeld über ein Jahr angehäuft haben. In einem Gespräch erzählt Liz Larner, dass sie sich viele Gedanken darüber macht, wie Kunst – auch ihre – mit der Zeit zerfallen wird. Man steht vor einer Meerlandschaft, die an Gräuelbilder von Greenpeace erinnert. Offensichtlich kritisiert sie den Konsum und daraus entstehenden Plastikmüll, und man fragt sich, wo die Grenze zwischen Kunst und Aktivismus – und vor allem deren Mehrwert – liegt. Larner erschafft ein auf verschiedenen Ebenen kitschiges und abgegriffenes Bild einer Landschaft, das mit dem traditionellen – und auch tragischen – Begriff der Schönheit spielt. Durch die ‹Asteroids›, die zwischen den Plastikwellen gesetzten Skulpturen aus gebrannter Tonerde, bekommt die Installation jedoch inhaltlich wie formal eine durchaus interessante Ebene: Sie hinterfragen unser menschliches Selbstverständnis und unsere Versuche, ins Weltall zu expandieren. So verwandelt Liz Larner die Szenerie in eine begehbare Landschaft, die aus der drohend nahen Zukunft zu kommen scheint. 

Bis 
18.09.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Liz Larner — below above 11.06.202218.09.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Liz Larner
Autor/innen
Gianna Rovere

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