Markus Raetz im Centre PasquArt

Markus Raetz · Mobiles, 1995-2000, diverse Materialien, Foto: Jennifer Cough-Cooper

Markus Raetz · Mobiles, 1995-2000, diverse Materialien, Foto: Jennifer Cough-Cooper

Besprechung

In den dienerschen Galerieräumen entfaltet sich die Welt von Markus Raetz als ein Labyrinth aus Skulpturen, Reliefs, Mobiles, Zeichnungen und Aquarellen. Der gewiefte Fallensteller im Spannungsfeld von Schein und Sein lotet die Phänomene der Wahrnehmung aus und befragt die Wirklichkeit. Selbst hinlänglich bekannte Dinge lässt er in neuen, überraschenden Perspektiven erscheinen.

Markus Raetz im Centre PasquArt

Die ausgeklügelt inszenierte Ausstellung wiederspiegelt den Kosmos von Markus Raetz. Die ausgewählten Werke und Zeichnungen aus den letzten vierzig Jahren legen ein beredtes Zeugnis seiner geistigen Verwandlungskraft ab. Dabei sind die metamorphotischen Skulpturen aus den letzten 15 Jahren schwergewichtig vertreten. Sie ruhen im «Salle Poma» auf hohen Sockeln aus Kartonrohren. Je nach Standort scheint ein Kopf auf einem unsichtbaren Hals oder auf dem Scheitel zu ruhen; oder ein Mann mit Hut mutiert zu einem Hasen und eine Weinflasche mit Glas erscheint in unterschiedlichen Grössenverhältnissen. Mit dem Objekt «Nichtpfeife» knüpft Raetz an den Diskurs von René Magritte an, der über die Zusammenhänge von Sprachzeichen, Gegenstand und Abbild entscheidende Impulse geliefert hat. Die meist dunkel schimmernden Oberflächen der Bronzeskulpturen lassen die vom Oblicht beleuchteten Plastiken flächig wirken, beinahe miteinander verschmelzen und sich im nächsten Moment wieder voneinander lösen. Alle Skulpturen in diesem Saal sind zwischen drei dualistisch angelegten Buchstabenskulpturen aufgespannt: «Dutch Window», «Ceci – Cela» und «Todo – Nada» bilden die Eckpunkte dieses Spannungsfeldes. Die Phasen zwischen den Gegensatzpaaren interessieren Raetz mehr als der Inhalt der Wörter. Die Metamorphosen werfen Fragen nach der Identität eines Gegenstandes und nach der Subjektivität des Betrachterstandortes auf. Sie machen bewusst, dass die Aneignung von Wirklichkeit nie endgültig ist, sondern immer nur einen momentanen Bewusstseinszustand spiegelt und daher stetig veränderbar ist. Der Wandel wird zur einzigen Konstante. Dabei sprechen die Metamorphosen von einer unendlichen, meist abstrakten Formenvielfalt. Und, da alles im Fluss ist, stehen diese Skulpturen auch in engem Zusammenhang mit den Mobiles.Erstmals ausgestellt sind kleine kinetische Arbeiten aus ausgeschnittenem Alublech, Vogelfedern und an Windrädchen hängenden Drahtfiguren, die als eigentliche Strichmännchen Pirouetten vollführen. Filmisches spielt in das Mobile «Duo» hinein mit schematisch angedeuteten Gesichtern, die, vom Warmluftstrom einer elektrischen Wärmeplatte bewegt, von einer lebhaften Mimik belebt sind. Auch in den Zeichnungen und Aquarellen dominiert die Suche nach der Darstellbarkeit von Bewegung. Die Wandlungsfähigkeit der Linie – von Zeichenstrichen bis zur plastischen Figur – ist schlicht überwältigend. Die Skulptur verwandelt sich beim Umschreiten wiederum in Zeichnung, zu einer zweidimensionalen Bildabfolge, die sonst im plastischen Körper verborgen bleibt. Dokumentations-Kassette mit achtzig reproduzierten Zeichnungen sowie 26 Fotos der Plastiken und ein Bildessay von Jennifer Gough-Cooper.


Bis 
01.09.2001
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Markus Raetz 23.06.200102.09.2001 Ausstellung Biel/Bienne
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Markus Raetz

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