«Black Friday» in der Galerie Kamm

Ausstellungsansicht «Black Friday», 2004, Galerie Kamm, Berlin

Ausstellungsansicht «Black Friday», 2004, Galerie Kamm, Berlin

Besprechung

Ein Konzept, das durchaus widersprüchlich ist: Für die Ausstellung «Black Friday - Exercises in Hermetics» bat der Frankfurter Kunstbuchverleger Christoph Keller gut 40 Künstler um künstlerische Stellungnahmen zu den Themen «Ökonomie» und «Hermeneutik». Der Widerspruch liegt nicht zuletzt im Titel: «Black Friday» benennt nicht nur den legendären Börsencrash in den USA anno 1869, sondern auch den verkaufsstarken Tag ebendort nach Thanksgiving.

«Black Friday» in der Galerie Kamm

Als PDF sollten die angefragten KünstlerInnen ihre Kunstwerke zum Thema mailen. Dies ist nicht nur recht ökonomisch, sondern gibt dem Kurator zudem die Möglichkeit, die Artefakte ins Netz zu stellen. Unter www.black-friday.org können alle Arbeiten nicht nur angeschaut, sondern auch umsonst heruntergeladen werden (Ironie des Zufalls: Vergisst man das Minus-Zeichen, so landet man auf einer, selbstverständlich kostenfreien, Hardcore-Porno-Seite). Doch das Projekt hat ein zweites Standbein, und dies ist die Präsentation in der jungen Berliner Galerie Kamm.

Zunächst fällt das Ausstellungsdisplay ins Auge: Die Gebrüder Tobias und Raphael Danke haben handelsübliche Bauzäune gemietet und diese sowohl als preiswerte Hängefläche wie als hermetische Absperrung im Kunstraum eingesetzt. Dort ist beispielsweise Markus Schinwalds Beitrag zur Ausstellung zu sehen: Der Wiener Künstler hat bei «Google» das Suchwort «Black Friday» eingegeben und dort ein Filmplakat aus den fünfziger Jahren gefun-den. Geschwind wird dieses ausgedruckt und fertig ist der Artefakt. Ähnlich effektiv die Arbeit von Olaf Nicolai, denn der Berliner hat einfach die Datei einer seiner «6 Plakates», 2000, eingeschickt. Dort ist die Bauanleitung für die Herstellung einer Donald-Judd-Skulptur zu sehen. Die Konstruktionszeichnung erlaubt dem Kunstwerk Judds aus dem geschlossenen Zirkel des Kunstsystems auszubrechen ? und dies bei Leugnung des Copyrights, also bei Unterlaufung der ökonomischen Regeln des Betriebes. So intelligent Arbeiten wie diese auch sind, letztlich überrascht, wie wenige der eingesandten Werke angesichts der nicht unbrisanten Fragestellung explizit politischen Charakter besitzen. Stattdessen begnügt man sich meist mit Analogien zwischen der eigenen Praxis und den Begriffen «Ökonomie» und «Hermeneutik».

Zwei Ausnahmen jedoch seien genannt. Zum einen ist da Jakob Koldings 10-teilige Collage «City 2(Excerpt)», 2004, die Blatt für Blatt eine typisch cool-modernistische Grossstadt-Architektur entwickelt, um dann auf dem letzten Papier provokant-agitatorisch aufzufordern: «Decide who gets the City.» Und da ist Henrik Olesens Internetrecherche aus demselben Jahr, die Logos grosser Unternehmen, ihr Vermögen (IKEA = 53 Milliarden), Werbebotschaften und ihre Produkte zu einem aufschlussreichen Porträt unserer globalisierten «Wirtschaftslandschaft» zusammenfügt.

Mit Arbeiten ausserdem u.a. von Cerith Wyn Ewans, Liam Gillick, Helen Mirra, Martin Boyce, Thomas Bayerle, Tue Greenfort.

Bis 
10.09.2004

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