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Regionaler Fokus mit WWW-weiter Ausstrahlung: Regioartline

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Eine Frage, für deren Beantwortung man normalerweise nicht unbedingt gleich auf eine Webseite verweisen würde. Andererseits gilt Internationalität im Kunstbetrieb so viel, dass der stets weit über den Tellerrand schweifende Blick zuweilen leicht übersehen kann, was in unmittelbarer Reichweite passiert. Umso besser daher, wenn es gelingt, das Regionale mit einer grenzüberschreitenden Perspektive zu verknüpfen - und online konzentriert das Kunstgeschehen in einem Raum zu beobachten, der im Höchst-fall in einem Tagesausflug noch bestens zu erreichen ist. Eben dies ist bei Regioartline der Fall: Die Kunstinitiativen artforum3 e.V. (Freiburg), plug.in (Basel) und RARweb (Strasbourg) haben sich zusammengeschlossen, um im Dreiländereck für eine Politik der offenen Grenzen in Sachen Informationsaustausch über all das einzutreten, was bewegliche KunstfreundInnen interessieren sollte. Allerdings bietet die Seite weit mehr als einen Veranstaltungskalender, der zu Vernissagen und Ausstellungsbesuchen locken soll. Vielmehr sondieren eine Reihe von kompetenten AutorInnen - einschliesslich der jeweiligen Redaktionsverantwortlichen selbst, für Basel Annina Zimmermann und Villö Huszai, für Freiburg Annette Hoffmann, Paul Klock und Dietrich Roeschmann sowie für Strasbourg Monika Matraszek - die Szene und steuern neben Kritiken auch Porträts von und Interviews mit KünsterInnen und VermittlerInnen bei. Eine weitere Serie stellt Kunstorte in der Region vor, die sonst nicht unbedingt im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen. Und natürlich steht es einem Online-Magazin auch bestens an, wenn es regelmässig einen wachen Blick auf die Kunst mit elektronischen Medien und die Netzkultur wirft. Dass andererseits regelmässig auch Ausgaben auf geduldigem Papier unter die Leute gebracht werden, dürfte der Vermittlung ebenfalls zuträglich sein. Und genau die braucht es auch - anders als man eigentlich meinen möchte - in einem Bereich, in dem Neugier und Offenheit sozusagen zu den Basistugenden zählen. Denn selbst wenn man im eigenen Bekanntenkreis eine kleine Umfrage macht, welche Ausstellungen und Kunstorte im Dreiländereck besucht werden, wird man schnell feststellen können, dass das Gros vor allem über das Geschehen am eigenen Wohnort sowie an wenigen Fixpunkten in der näheren Umgebung informiert ist - und ansonsten eher weiter ins Ausland reist. Derlei gründet natürlich nicht unbedingt in Desinteresse; Zeitökonomien spielen dabei ebenso eine Rolle - und ein gewisses Gewohnheitsprinzip, das Orientierungen zunächst auf Bekanntes lenkt. Umso wertvoller, wenn professionelle Vermittlerinnen erst einmal Fenster und Türen öffnen - insbesondere über die Sprachgrenzen hinweg, die eben immer auch kulturelle sind und bei aller Vernetzung des Kunstbetriebs gerade im regionalen Bereich bisweilen recht deutlich zum Tragen kommen. Aus diesem Grunde lanciert ja auch das Kunst-Bulletin, mit etwas anderer Schwerpunktsetzung, seine Inserts. Gut ist insofern nicht nur, dass Regioartline, so weit es geht, zweisprachig operiert - was sowohl auf der Ebene der Koordination ein gutes Stück Arbeit bedeutet, als auch Aufwendungen, die für Übersetzungen zu stemmen sind. Richtig spannend wird es dort, wo über die unterschiedliche Zusammensetzung der beiden alternativ anzuwählenden Hauptseiten des Triregio-Magazins sozusagen nachlesbar der Horizont erweitert wird.

Autor/innen
Verena Kuni

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