Alicia Framis im capc Musée d'art contemporain

Alicia Framis · Anti-Dog-Robes, 2002?2003, Partages, capcMusé
d?art contemporain, Bordeaux, © F. Delpech

Alicia Framis · Anti-Dog-Robes, 2002?2003, Partages, capcMusé
d?art contemporain, Bordeaux, © F. Delpech

Hinweis

Alicia Framis im capc Musée d'art contemporain

Ein Stau, Autos hupen, Passanten laufen zusammen, amüsiert, irritiert, manche schütteln ärgerlich den Kopf. In der Mitte der Strasse, auf dem Zebrastreifen, scheint der Film des Alltags angehalten worden zu sein. Rund 40 Passanten sind beim Überqueren der Strasse erstarrt. Mitten in der Bewegung. Wie in einem Film-Still schälen sich ihre Gesten, sonst in der Bewegung aufgelöst, aus dem Gruppenbild heraus. Rund herum geht das Leben weiter. «Grève secrète» heisst die Serie von Videos, die Alicia Framis in der grossen Halle des in einer alten Abtei untergebrachten Museums für zeitgenössische Kunst in Bordeaux (gerade wurde die 32-jährige Charlotte Laubard als neue Direktorin berufen) versammelt hat, «heimlicher Streik». Für ihre unheimlichen «tableaux vivants» bezieht Framis immer reale Personen vor Ort mit ein - «partages» lautet der Titel der Ausstellung. Ihr Leitthema: die Unauflösbarkeit von realer Bewegung im Bild. Wäre dem nicht so, würde das Bild im Leben aufgehen, von dem es gleichwohl unüberwindlich getrennt ist. Das zeigt Framis in «Cinéma Solo», 1996, einer Reihe von Fotografien, die ihr vierwöchiges Zusammenleben mit einer Schaufensterpuppe wiedergeben. Das zeigt sie auch in ihren Architekturobjekten, wie den zwei Särgen, die man als Sitzmöbel modulieren kann, «Eternal relationship», 2002. Oder sie zeigt es in «Anti-Dog Fashion», 2002, einer Serie von Kleidern aus «Twaron», einem schusssicheren Material. Indem sie Models in diesen Kleidern starr am Eingang eines Fussballstadions oder in der Fussgängerzone stehen liess, erzeugte sie auch hier den Kontrast, diesmal zu emotionaler und sozialer Bewegung. Ein weiteres Thema der 39-jährigen Katalanin: Geschlechterkampf. Auf höchst intelligente Weise macht sie deutlich, wie sehr die Geschlechtzuweisung ein interaktives Codierungssystem ist, das man sich umlegt wie ein Korsett. Ein Kleidungsstück, das stützt, schützt - und die Bewegungsfreiheit einschränkt bis zur Starre.

Bis 
16.09.2006
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
CAPC Frankreich Bordeaux
Künstler/innen
Alicia Framis
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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