Henry Darger in der Maison rouge

Henry Darger · Bruit et fureur, Ausstellungsansicht, Foto: texte&tendenzen, © ProLitteris, Zürich

Henry Darger · Bruit et fureur, Ausstellungsansicht, Foto: texte&tendenzen, © ProLitteris, Zürich

Hinweis

Henry Darger in der Maison rouge

New Yorker Künstler bezieht sich auf einen, der in dem Jahr starb, in dem Chan zur Welt kam: 1973. Henry Dargers Leben endete mit 81. Jahrzehntelang hatte er ein kleines Chicagoer Zimmer bewohnt, insgeheim Arbeiten von einzigartiger ästhetischer Qualität entwickelt. Darger, davon überzeugt, dass er selbst nicht zeichnen könne, pauste aus zahllosen Illustrierten Gesichter und Figuren ab. Es entstanden grosse narrative Collagen, beidseitig bemalte Bilder von teils über 2 m Länge. Szenarien zwischen Paradies und Hölle, Glück und Grausamkeit, die in einer besseren Welt enden. Die Geschichte der «Vivian Girls» ist ein modernes Epos; mehr als 15.000 Seiten umfasst der parallel zu den Bildern verfasste Roman. Er entspringt dem Imaginarium eines Einzelgängers, dessen Lebensgeschichte selbst ein Roman ist: Kurz nach seinem 4. Geburtstag stirbt seine Mutter, als sie eine Schwester zur Welt bringt. Sein Vater gibt das Mädchen in ein Waisenhaus, lebt mit dem Sohn allein bis zu dessen 13. Lebensjahr. Dann landet er in einem Heim für Schwererziehbare. Mit 17 kann er fliehen, findet Anstellung als Faktotum in einem katholischen Hospital. 50 Jahre lang pendelt er zwischen Arbeitsplatz und dem Zimmer in der Webster Street. Dort bündelt er abends und nachts Stränge psychisch-phantastischer Innerlichkeit zu einem dichten Text voll Schrecken und Hoffnungen. Antoine de Galberts Ausstellungshaus zeigt Dargers Werk - das 2002 im Migros Museum in Zürich zu sehen war - erstmals in grossem Umfang in Frankreich. Kombiniert mit einer kleinen, ebenfalls sehenswerten Schau des Belgiers Michaël Borremans, lädt die maison rouge zu einem Ausflug ins Phantastische ein - und in beklemmende Erzählungen aus dem Geist der Moderne. Kat. e/f, 80 S., 40 h.
(Siehe auch Les Chemins de l'art brut 5: Jules Leclerc, 1894-1966, im Musée d'art moderne Lille Métropole, 16.9.- 16.12., www.nordnet.fr/mam.)

Bis 
23.09.2006
Künstler/innen
Henry Darger
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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