Huang Yong Ping im Centre international d'art et du paysage

Huang Yong Ping · Intestins de Bouddha, 2006, Holz, Seide, ausgestopfte Geier, Courtesy Centre international d'art et du paysage de l'île de Vassivière, Foto: André Morin, © ProLitteris, Zürich

Huang Yong Ping · Intestins de Bouddha, 2006, Holz, Seide, ausgestopfte Geier, Courtesy Centre international d'art et du paysage de l'île de Vassivière, Foto: André Morin, © ProLitteris, Zürich

Hinweis

Huang Yong Ping im Centre international d'art et du paysage

Die Einladungskarte zeigt eine buddhistische Gebetsmühle in vollem Lauf, die sich neben dem im Hintergrund zu sehenden konischen «Leuchtturm» dreht, Teil der Achtzigerjahre-Architektur des CIAP. Huang Yong Ping folgte der Einladung der umtriebigen neuen Direktorin Chiara Parisi und verwandelte das Zentrum im Herzen des Limousin in ein «Pantheon», «einen Ort, an dem sich alle Götter vermischen». Die Besucher finden die Gebetsmühle im Inneren des Turmes wieder - vergrössert, mehr als 600 Kilo schwer. Ping hat erneut Okzitanisches und Asiatisches zu einer brisanten Mischung verrührt. Kaum kann man sich der unheimlichen Anziehungskraft des aufgebrochenen Holz-Buddhas entziehen, aus dessen Bauch fünf Geier seidene Därme ziehen. Die Geier symbolisieren den Rückzug der Götter - und versichern zugleich deren Wiederkehr. Der 52-Jährige hat diese Installation im oberen Geschoss des an einen Schiffsrumpf erinnernden Hauptgebäudes aufgestellt, so dass sich eine Art Andachtsraum ergibt. Gegenüber stehen ein hohler Baumstamm, daneben Holzbänke, Späne und kleine Figuren christlicher und buddhistischer Herkunft. Vergehende Zeit wird hier thematisiert, und was sie hinterlässt: Symbole. Ein Leitthema der Ausstellung; Ping nimmt auf diese Weise höchst intelligent die Herausforderung auf, im Zentrum für Landschaft und Kunst auf das Panorama und die Geschichte des Ortes, auf dessen Einsamkeit zu reagieren, ohne illustrativ oder dekorierend zu werden. In Pings Pantheon ist von Landschaft nichts zu sehen - und doch ist sie präsent: als verrinnende Zeit, als Zeit der Kontemplation. In die Fensternischen im grossen Saal des Hauptgebäudes hat Ping Figuren gestellt, in der Mitte ein grosses Bibliotheks-Karussell. In seinen Fächern kann der Besucher für einen Moment die Zeit vergessen. War man dafür nicht hierher gekommen, ins menschenleere Zentrum Frankreichs, auf eine künstliche Insel in der Mitte eines 1949 von den Elektrizitätswerken aufgestauten Sees? (Siehe auch: On the Edge: Chinese Artists Encounter the West, Indianapolis Museum of Art, www.ima-art.org.)

Bis 
23.09.2006
Künstler/innen
Huang Yong Ping
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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