Barbara Ellmerer in der Galerie Margit Haldemann

Barbara Ellmerer · Amanita, 2007, Oel auf Baumwolle, 90 x 130 cm

Barbara Ellmerer · Amanita, 2007, Oel auf Baumwolle, 90 x 130 cm

Besprechung

Mit üppigen Waldstücken und feenzarten Frauenbildnissen betreibt Barbara Ellmerer (*1956) Wahrnehmungsstudien. Mit ihren Sujets folgt sie traditionellen Motiven der Kunstgeschichte, ihr eigentliches Thema ist das Auge des Betrachters.

Barbara Ellmerer in der Galerie Margit Haldemann

Ihre Ausstellungen bewegen im buchstäblichen Sinn. Barbara Ellmerer operiert in ihren Arbeiten mit unterschiedlichen Tiefenwirkungen und Kontrastschärfen und zwingt so den Betrachter, den Blick vor jedem Bild neu zu fokussieren. Schemenhaft zarte Frauenbildnisse, die an der Grenze der Sichtbarkeit oszillieren und im hellen Bildgrund zu verschwinden scheinen, kombiniert sie mit überaus üppigen Waldstücken, die dem Betrachter in ihrer saft- und kraftstrotzenden Farbfülle geradezu entgegendrängen. Auf diesen Waldstücken, welche die älteren Blumenstücke ablösen, finden sich Pilze, Insekten, Pflanzenteile wie Farnwedel oder Eibenfrüchte aber auch Blüten und Knospen. Sinnlich muten die fleischigen Blätter und Früchte an, die leuchtendroten Fliegenpilze, deren dicke, weisse Tupfen von dem vitalen Vergnügen künden, das für Barbara Ellmerer im künstlerischen Schaffensprozess liegt. Doch nicht nur Lust an der Malerei bestimmt Ellmerers Arbeit. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten des Mediums und die Grenzen des Fasslichen auszuloten. Ob angedeutete Frauenbildnisse oder wuchernde Waldstücke - der Reiz liegt für die in Zürich lebende Künstlerin im Versuch, tradierte Motive in eine zeitgenössische Form zu bringen. Mit der Geschichte der europäischen Malerei im Marschgepäck malt sie gewissermassen gegen den lauen Strom der medialen Bilder an. Dabei bedient sie sich der Mittel der Übertreibung und der Ironie. Ellmerers Wald ist ein Mikrokosmos im Makroformat. In «Amanita», 2007, erscheint ein kleiner Fliegenpilz als Gigant. Die 2006 gemalte «Libelle», in natura ein durchscheinend zartes Nichts, gerät auf Ellmerers Leinwand zu einem nachtblauen Monstrum mit keulenschwerem Hinterleib. Fragiles wird mit einer besonders pastosen Malerei zementiert; dem dargestellten Objekt wird bewusst zuwidergehandelt, so entsteht ein Moment der Irritation. Winziges wird ins Gigantische vergrössert, bis an die Grenze zur Abstraktion. Überschritten aber wird diese Grenze nicht. Es ist gerade dieser unsichere Bereich zwischen dem Lesbaren und dem Unlesbaren, es ist das gerade noch erkennbare Bild, das Barbara Ellmerer interessiert. Das Bild, das im Kopf des Betrachters entsteht als Amalgam aus den lückenhaften Informationen, die sie in ihren Bildern liefert und dem Bestreben des menschlichen Gehirns, solche Lücken sinnvoll zu ergänzen. Der Bildgegenstand sei eigentlich egal, sagt sie. Vielmehr beschäftigt sie die Frage, wie viel Substanz man aus einem Frauenbildnis herausnehmen kann, wie nah man in ein Pilzdetail hineinzoomen kann, welches Minimum an visuellen Informationen es braucht, um im Auge des Betrachters noch ein funktionierendes Bild entstehen zu lassen.

Bis 
21.09.2007
Künstler/innen
Barbara Ellmerer
Autor/innen
Alice Henkes

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