Bridget Riley

Bridget Riley · Descending, 1965, Privatsammlung, Courtesy Karsten Schubert, London

Bridget Riley · Descending, 1965, Privatsammlung, Courtesy Karsten Schubert, London

Hinweis

Bridget Riley

«Zwischen der Grafik und der Schrift liegt fast nichts, ein verschwindend kleiner Abstand: Dieser sehr dünne Spalt ist nichts anderes als der Einschnitt des Zugs, [?] Sinnzug quer durch das Wahre. Der Spalt zwischen den Lippen ist deren Umriss gleich.» Der Philosoph Jean-Luc Nancy, formuliert das Verhältnis von Bild und Text als «distinktes Oszillieren»; Bridget Riley hat es ins Bild gesetzt. Programmatisch mit «Kiss» 1961: Engführung von zwei schwarzen Formen zu einem schmalen Spalt. Riley, die ihre Bilder erst nach Fertigstellung betitelt, inszeniert den «Sinnzug» als Begegnung von zwei Individuen. Doch die Formen berühren sich nicht. Ein Grundzug von Rileys Arbeit, die nun endlich mit einer ersten Retrospektive Frankreich vorgestellt wird: Mit über sechzig Leinwänden, zwei grossen, eigens angefertigten Wandgemälden, mehr als achtzig Zeichnungen und Vorstudien. Riley entwickelt in den fünfziger Jahren ihr Werk aus frühen Studien nach Seurat und Landschaftsmalerei. Anfang der Sechziger findet sie zu op-artiger geometrischer Abstraktion. Dabei illustriert sie nicht neurophysiologische Erkenntnisse mit Malerei, sondern forscht im Malprozess selbst: Am Körper des Bildes mit «movement in squares», 1961, an der Sprache des Raums mit «shiver», 1964, oder an der Tonalität des Sehens mit «breathe», 1966. Sie malt, wie Bach komponierte: mathematisch präzis. Eine Suche nach dem Ton der Malerei, dem Vibrieren des sehr dünnen Abstandes zwischen Sprache und Bild, Analyse und Faszination. In den Achtzigerjahren bisweilen in unguter Nähe zum nur noch Wohlklingenden, wahrt Riley immer Distanz zum Eintauchen in die Wunder des Optischen à la Vasarely.

Bis 
13.09.2008

Bridget Riley, «L'Esprit de l'oeil», Edition Paris-Musées/Ridinghouse Press

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