Katinka Bock

Katinka Bock · Je te tiens, 2008, Glas, Holzstuhl, Nadeln.Foto Oliver Dancy

Katinka Bock · Je te tiens, 2008, Glas, Holzstuhl, Nadeln.Foto Oliver Dancy

Hinweis

Katinka Bock

Viele Kunstzentren Frankreichs finden sich in zweckentfremdeten Gebäuden. Die Synagoge im lothringischen Delme gehört dazu. Von deutschen Bombern zerstört und 1946 wieder aufgebaut, um 1981 mangels Gläubigen profaniert zu werden, birgt sie viel historischen Grund. Ideal für die 32-jährige deutsche Katinka Bock, die zwischen Paris und Berlin an unbewussten Schichten im Raum arbeitet. Der Theoretiker Mark Wigley fasste Architektur 1993 als «begründende Metapher» auf: «Brüche im Grund schaffen überhaupt erst die Möglichkeit für das Gebäude.» Bilder solch konstitutiver Brüche entwickelt Bock. «Patron» ist eine Frottage auf 30 x 1,30 m Schnittmuster-Stoff, welche den polizeigeschützten Bürgersteig vor der Berliner Synagoge abnimmt und nach Delme bringt. «Ja» leitet Wasser aus dem ehemaligen Frauenbad am Eingang über PVC-Rohre durch die gesamte Ausstellung. Die Rohre tropfen, ihre Stützpfeiler stehen in Salzlösung - die ganze fragile Anlage zerfällt. Es geht um das Brüchige als Grund. «Je te tiens» besteht aus zwei Glasplatten, die gegen einen Bistrostuhl gelehnt sind. Nur durch Nadeln auf Abstand gehalten, tropft zwischen die Scheiben Wasser. Katinka Bock erarbeitet Formen der Räumlichkeit. Sie ähneln Traumbildern. Zusammenzuckend aus dem Gefühl des Fallens erwacht, geben sie Boden unter die Füsse - freilich einen «sol d'incertitude», mit 7 qm Pariser Pflastersteinen. Diesen zeigt Bock auch im Pariser Vorort Noisy-le-Sec im Rahmen der «Biennale Art Grandeur Nature».

Bis 
27.09.2008

Centre d'art contemporain La Synagogue de Delme, bis 28.9.
Centre d'art contemporain La Galerie Noisy-le-Sec, 19.9.-23.11.

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