Dynasty

Robin Meier · Ali Momeni, Truce: Strategies for Post-Apocalyptic Computation, 2009, Installationsansicht

Robin Meier · Ali Momeni, Truce: Strategies for Post-Apocalyptic Computation, 2009, Installationsansicht

Hinweis

Dynasty

Das wurde aber auch Zeit: Zum ersten Mal veranstalten das Kunstzentrum Palais de Tokyo und das Musée d'art moderne de la Ville de Paris gemeinsam eine Ausstellung. 40 Künstler. 80 Werke. Eine Wackelpartie zwischen Fashion und Konserve, die aus Mücken Elefanten macht.
Es raunt und brummt im Palais de Tokyo. Verschwommene Bilder werden an die Wände geworfen, im Vordergrund flackern in einer Konstruktion zwischen Bastelspass und Laborapparatur drei Glühbirnen. Die Hexenmeister dieser Maschine, der Schweizer Komponist Robin Meier und der Iraner Ali Momeni, haben lebendige Stechmücken an einer feinen Metallspitze festgeklebt. Werden die Glühbirnen heller, schlagen die Mücken verzweifelt mit den Flügeln, deren Sound vermischt sich mit indischen Gesängen - wenig ästhetischer Mehrwert für viel Tierquälerei. Die teuflische Mückenmechanik ist Programm für eine Ausstellung, die manches dem schönen Schein opfert. «Dynasty» macht aus Mücken Elefanten, zeigt Hoffnungsträger aus Frankreichs junger Künstlergeneration, geboren nach 1975. Neue Zugtiere mit grossen Gesten, wie die Staubpartikel-Skulptur «Poussière» von Yushin U. Chang oder Vincent Ganivets «Caténaires», filigrane Bögen aus Betonsteinen, brauchen beide Häuser. Seit acht Jahren arbeiten sie in demselben Gebäude nebeneinander her, jetzt baut im Kellergeschoss Olivier Kaeppelin das «französische Whitney» auf. Während Wahler mit seinem Programm, das Kunst als Wissenspool und Realitätsgenerator zeigt, gut fährt, ist die Abteilung für zeitgenössische Kunst (ARC) im Musée d'art moderne de la Ville de Paris inzwischen als Motor für neue Talente sanft entschlafen. «Dynasty» ist der Originaltitel einer Soap-Opera der Achtziger, auch als «Denver» bekannt. Dort ging es um Macht und Taktiken. Angewandt auf die Kunst, könnte es hier um Strategien der Definitionsmacht gehen. Doch in Werk-Auswahl und Hängung versäumen beide Häuser eine heute, rund dreissig Jahre nach der Institutionskritik, dringend notwendige Selbstreflexion: Kunstpolitik und die Verantwortung zur Kunst bleiben undiskutiert. Statt kritischer Positionierung blasen soapige Kurztexte Sinn über Arbeiten, die so viel Bedeutungsschwere kaum tragen können. So bleibt das stilisierte wissenschaftshistorische Organigramm von Alexandre Singh, der sonst mit ironischen Performances zum Wissensprozess glänzt, flach, und auch Philosophie-Verformer Benoît Maire, der auf der diesjährigen ART im Bereich Statement mit dem eindringlichen Film «L'île de la répétition» überzeugte, ist hier nur als ein Stellvertreter des derzeit trendigen «romantischen Konzeptualismus» wahrnehmbar. So erstarrt zum Repräsentant, was als kleiner Versuch in sensibler Umgebung zum Umdenken anstacheln müsste.

Bis 
04.09.2010
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Dynasty 11.06.201005.09.2010 Ausstellung Paris
Frankreich
FR

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