Giro Annen

Giro Annen · Wasserfall, 2002, Schwarzweiss-Fotografie auf Barytpapier, 23x17,5 cm

Giro Annen · Wasserfall, 2002, Schwarzweiss-Fotografie auf Barytpapier, 23x17,5 cm

Giro Annen · Ohne Titel (3 Figuren), 2014, Beton bemalt, Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur, 2014

Giro Annen · Ohne Titel (3 Figuren), 2014, Beton bemalt, Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur, 2014

Hinweis

Giro Annen

Das Bündner Kunstmuseum zeigt parallel sich ergänzende Ausstellungen. Die Zeichnungen von Kunstschaffenden aus dem 20. Jahrhundert im Souterrain erzeugen eine verbindende sensorische Grundtonalität. In jeweils eigenständiger und doch verwandt zurückhaltender Weise wurde in den hier versammelten Werken um eine individuelle visuelle Sprache und Position gerungen. Dieses tastende Suchen zieht sich wie ein Generalbass durchs ganze Haus und findet in den Fotosequenzen und Skulpturen von Giro Annen (*1957) eine folgerichtige Fortsetzung. Statt mit Grafit auf Papier entstehen Annens Arbeiten aber in einem umgekehrten deduktiven Prozess - je mehr Licht, desto mehr verabschiedet sich die greifbare materielle Welt. Es sind im wörtlichen Sinne Lichtmalereien, Lichtreflexe, die auf fotografischen Platten ihre Spuren hinterlassen haben.
Konkreter: Ein Diakarusell lässt mit jedem Klack einen Wasserfall neu aufleuchten, im Minutentakt aus immer demselben Blickwinkel abgelichtet. Erst allmählich bemerken wir die subtilen Veränderungen: Ein Blättchen ragt mal mehr mal weniger ins Bild hinein, die atmosphärischen Verhältnisse und das Licht ändern sich laufend.
In einer zweiten Serie hat Annen denselben Wasserfall über Jahrzehnte zu unterschiedlichen Jahreszeiten und von unterschiedlichen Standpunkten erkundet - als sphärischer Nebel, als gischtsprühender Strahl in einem Fels-einschnitt, als schwarzer Strudel kreisender Blätter. Davor stehen, in den Räumen verteilt, in graziler Drehung Säulen aus weiss gestrichenem Beton. Obwohl sie, wie ein vergrössertes Relief, Scheibe um Scheibe in die Höhe zu wachsen scheinen - eine Umkehr des Wasserfalls -, wirken die Skulpturen - wie die Fotos - eher erlauert als geschaffen. Hier schliesst sich der Bogen zu den Zeichnungen, zu diesen Notaten, in denen sich der/die Einzelne vor einer nur bedingt fassbaren Aussenwelt immer wieder neu positioniert. Auch die Aufnahmen von Annen visualisieren in erster Linie eine Geistesverfassung, einen geschärften Sinneszustand, der in einer sich ständig verändernden Welt weniger nach Fixpunkten sucht als eine diesem äusseren Treiben entsprechende bewegliche und differenzierte persönliche Optik erkundet.

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