Editorial

TITELBILD · Kader Attia · Asesinos! Asesinos!, 2014, Installation, 134 Türen, 47 Megafone (Detail), Courtesy Lehmann Maupin. Foto: Elisabeth Bernstein

TITELBILD · Kader Attia · Asesinos! Asesinos!, 2014, Installation, 134 Türen, 47 Megafone (Detail), Courtesy Lehmann Maupin. Foto: Elisabeth Bernstein

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Die Megafone sind stumm. Und doch hallen uns daraus wütende Schreie entgegen: ‹Asesinos! Asesinos!›. «Mörder! Mörder!» - so der Titel der Installation von Kader Attia mit über hundert ausgehängten Türen. Es sind Schreie von Menschen, die hinter Türen wie diesen gewohnt haben. Weitere Aufnahmen zeigen, dass die hölzernen Bauteile in der Längsachse zersägt und mit Scharnieren an der oberen Kante so verschraubt wurden, dass sie nun als aufgeklappte Tafeln im Raum stehen.
Doch von Stehen kann eigentlich keine Rede sein, vielmehr schreiten sie uns entgegen, als Demonstrationszug, in welchem die zornig Demonstrierenden mit ihren Plakaten eins geworden sind. Die Assoziation an eine vorwärtsdrängende Menschentraube liegt nahe, auch weil die Grösse der Türen von menschlichen Proportionen abgeleitet ist.
Das Werk lässt sich als Kommentar zur ‹Subprime›-Krise lesen, der Hypothekarkrise, die 2008/09 in einer schnellen Kaskade das globale Finanz- und Wirtschaftssystem einbrechen liess. Doch Attia weist mit seinem wuchtigen Bild über dieses konkrete Ereignis hinaus. Es geht ihm generell um «die Beziehung zwischen dem Politischen und dem Privaten». So weckt die Installation Assoziationen an Krisen, die längst nicht mehr nur einzelne Menschengruppen und Wirtschaftsbereiche, sondern ganze Staaten in den Bankrott treiben. Diese wiederum schieben ihre gigantischen Schuldenberge dann einfach den nachfolgenden Generationen vor die Türe.
Hinter Attias Cover verbirgt sich in dieser Ausgabe des Kunstbulletins eine Fülle weiterer Themen: So ein erster Einblick in die laufenden Vorbereitungen zur Manifesta 11 in Zürich - lassen Sie sich überraschen!

Autor/innen
Claudia Jolles

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