Inspiration Flora

Annette Pfister · Echo, 2016, Plastiklöffel, Ausstellungsansicht Villa Flora

Annette Pfister · Echo, 2016, Plastiklöffel, Ausstellungsansicht Villa Flora

Pascal Kohtz · Hybriden, 2016, Aluminium, Stahl, Polyurethan, Lack, 4x4x3 m

Pascal Kohtz · Hybriden, 2016, Aluminium, Stahl, Polyurethan, Lack, 4x4x3 m

Hinweis

Inspiration Flora

Eines vorneweg: Die grässlichen Wandgitter der Ringier-Ausstellung sind verschwunden. Befreit kann die 170-jährige ‹Flora› wieder atmen, bestückt mit frischen Werken und überraschenden Elementen. Während die Bilder aus der Sammlung immer noch auf Reisen sind, finden wir nun an ihrer Stelle Werke, die mühelos den Bogen zur Gegenwart schlagen. Unter dem Namen ‹Inspiration Flora› versammelt Kuratorin Maja von Meiss vierzig Werke von Kunstschaffenden aus der Künstlergruppe Winterthur, die in ihren Arbeiten Bezug auf die Villa und ihren Park nehmen. Dabei sei es wichtig gewesen, «dem Haus nicht etwas überzustülpen, sondern mit Gegenwartskunst Akzente zu setzen», wie Angelika Affentranger-Kirchrath vom Trägerverein sagte.
Werner Wal Frei beispielsweise nimmt sich ‹La charette› von Félix-Edouard Valloton aus dem Jahr 1911 an. Auf den ersten Blick hat sich auch das Sujet nicht geändert: Es ist ein Wegstück, das an einer Baumgruppe entlang führt. Beim zweiten Hinschauen ist aber keine «Charette» mehr zu sehen, sondern ein Polizeiwagen mit blinkenden Lichtern. Im Schatten der Bäume rennt ein Mann in Uniform auf eine Figur zu. Und in einer Baumlücke auf der anderen Seite des Wegs ist Stacheldraht ausgerollt. (Ein Schelm, wer dabei an den SVP-Politiker und Asyl-Hardliner Andreas Glarner denkt). Auch Karin Wiesendanger hat sich eines Bildes von Valloton angenommen. Sie öffnet unter dem schlichten Titel ‹Aussicht› Raum und Zeit mit einer auf Kohle und Kreide reduzierten Wiedergabe der ‹Vue d'Honfleur›.
Bei Annette Pfister wird ein Deckenornament mittels einfacher Plastiklöffel zum Echo auf dem Fussboden; im selben Raum befindet sich auch die detailreiche Zoetrop-Hochzeitstorte ‹Rosy Hues› von Olga Titus. Christian Schwager hingegen lässt uns beim Wasserbecken im Park am Spiel mit Spiegeln teilhaben, «so dass wir die farbigen Bäuche der Bergmolche sehen können, ohne sie aus dem Wasser zu heben». Dazu legt er das Bassin mit hochglänzenden Chromstahlelementen aus. Die ‹Hybriden› von Pascal Kohtz schliesslich lauschen mit ihren Trichterohren unübersehbar aus dem wunderschönen Park in die Welt hinaus. Es lohnt sich auch, ein Blick auf das sogenannte Kutscherhaus zu werfen, welches das Ensemble auf der dem Hauptgebäude gegenüberliegenden Seite abschliesst und komplettiert.

Bis 
02.10.2016

Werbung