Araeen, Pozarek, Knifer — Konstruktivistische Korrespondenzen

Rasheed Araeen · Une rétrospective, Mamco, 2018 © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Rasheed Araeen · Une rétrospective, Mamco, 2018 © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Vaclav Pozarek · Mamco, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Vaclav Pozarek · Mamco, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

Besprechung

Das Mamco bricht aussergewöhnlich konsequent mit dem europa- und amerikalastigen Diskurs der Gegenwartskunst. Mit drei Soloschauen von Rasheed Araeen, Vaclav Pozarek und Julije Knifer zeigt es drei konstruktivistische Künstler mit disparatesten kulturellen Wurzeln.

Araeen, Pozarek, Knifer — Konstruktivistische Korrespondenzen

Genf — Die vom Mamco zusammen mit dem Van Abbemuseum organisierte Werkübersicht Rasheed Araeens (*1935, Karatschi) besticht durch eine grosse Klarheit, die ebenso der zugespitzten Auswahl der Arbeiten wie auch den exzellenten Begleittexten geschuldet ist. So führt der chronologische Parcours von realistisch-illusionistischen Zeichnungen über abstrakt-expressive Malereien zur Beschäftigung mit Symmetrien und Asymmetrien in plastischen Werken, zu denen sich der Künstler durch die von ihm 1964 entdeckten Metallskulpturen von Anthony Caro anregen liess. Seine Konstruktionen sollten jedoch nicht lange minimalistisch bleiben. In den nächsten Jahrzehnten gerannen sie vielmehr zu einer monumentalen Schale, in der er sich mit appropriierten Bildern zuerst an der Seite der Black Panthers und der Artists for Democracy für eine gerechtere Einbindung der Bevölkerung aus den ehemaligen Kolonien in die britische Gesellschaft stark machte und später verschiedenartige Visionen und Ideologien aufeinanderprallen liess. Die Zeit seit 2000 teilt sich dagegen in eine eher kühle und glatte Malerei, die popartmässig Realistisches und Abstraktes verbindet, und in mit warmen Farben bemalte Holzelemente, die oft dem Publikum zur eigenen Benutzung und Gestaltung zur Verfügung stehen. Zwei weitere Soloschauen zeigen die kryptischen Zeichnungen und Skulpturen Vaclav Pozareks (*1940, Budweis) und die sequenzierten Gemälde Julije Knifers (*1924, Osijek) mit einer im Gegensatz zur Retrospektive Araeens grossen pädagogischen Zurückhaltung, die durchaus auch etwas Demonstratives hat. Stellt doch die konstruktivistische, minimalistische Kunst durch ihre reduzierten Dispositionen die Erfahrungen des Publikums vor Ort wie kaum eine andere in den Mittelpunkt. Beide Kunstschaffenden schreiben ihr Werke dabei explizit nicht einer teleologischen Narration der Moderne ein. Vielmehr findet bei Pozarek ein Andocken an architektonische und handwerkliche Abstraktionen und bei Knifer an ornamentale Prinzipien statt. Sie verweisen damit auf die zwar immer wieder anders konnotierte, aber prinzipielle Omnipräsenz von Grundformen in menschlichen Artefakten. Wie ergiebig solche Ansätze denn auch stets für eine jüngere Generation sind, wird zum Schluss in der Gruppenausstellung ‹We Began by Measuring Distance› mit Werken europäischer, asiatischer und afrikanischer Kunstschaffender aus der Sharja Art Foundation deutlich. 

Bis 
09.09.2018
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We began by measuring distances 29.05.201809.09.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
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