Bacon – Giacometti

Alberto Giacometti · Le Nez, 1947–49, Gips, 43,6 x 9 x 61,6 cm, Fondation Giacometti, Paris © Pro-Litteris

Alberto Giacometti · Le Nez, 1947–49, Gips, 43,6 x 9 x 61,6 cm, Fondation Giacometti, Paris © Pro-Litteris

Francis Bacon · Study for Portrait VII, 1953, Öl auf Leinwand, 152,3 x 117 cm, Courtesy The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence © The Estate Francis Bacon / ProLitteris

Francis Bacon · Study for Portrait VII, 1953, Öl auf Leinwand, 152,3 x 117 cm, Courtesy The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence © The Estate Francis Bacon / ProLitteris

Besprechung

Mit ‹Bacon – Giacometti› präsentiert die Fondation Beyeler diesen Sommer zwei Giganten der europäischen Nachkriegsmoderne gemeinsam in einer Ausstellung. Diese Konfrontation ist bisher einmalig. Eine Premiere also. Zu Lebzeiten der Künstler gab es das nicht.

Bacon – Giacometti

Basel — Beide hatten, allerdings nacheinander, in den Sechzigerjahren an ein und demselben Ort Retrospektiven – in der Londoner Tate Gallery. Genau dort lernten sie sich auch persönlich kennen, und zwar anlässlich von Alberto Giacomettis Werkschau im Jahr 1965. Das bezeugen Fotos, die zeigen, wie beide angeregt ins Gespräch vertieft durch das Museum laufen. Dass dieses Treffen bereits während des Ausstellungsaufbaus stattfand und nicht erst danach, belegt, wie vertrauensvoll das Verhältnis zwischen den Künstlern zu dieser Zeit bereits gewesen sein muss. Leider blieb der persönliche Austausch nur von kurzer Dauer, denn Giacometti war gesundheitlich schwer angeschlagen und verstarb bereits im Januar des darauffolgenden Jahrs. Doch schon vor der persönlichen Begegnung spielte das Werk des acht Jahre Älteren für Bacon eine prägende Rolle. Denn zur Idee der käfigartigen Umrahmung der Figuren in seiner Malerei kam Bacon (1909–1992) laut Gastkurator Michael Peppiatt durch die Plastiken Giacomettis (1901–1966). Ein Tatbestand, der sich in der Riehener Ausstellung überzeugend nachvollziehen lässt, wenn zum Auftakt des Ausstellungsrundgangs zwei Schlüsselwerke in einem Saal aufeinandertreffen: In einer optisch markanten Inszenierung begegnen sich hier Giacomettis ins Groteske übersteigerter Gipskopf ‹Le Nez›, 1947–49, und eines von Bacons Papstporträts, nämlich ‹Head IV› in knapper Distanz. Die Nase, die überlang aus dem Käfigkonstrukt hinausragt, in dem der Kopf mit weit geöffnetem Mund hängt, mutiert bei geeigneter perspektivischer Blickänderung zu einem Stachel, der Bacons schreiendem Papst gefährlich nahe kommt, ihn buchstäblich sticht. Die so prägnante wie ironische Präsentation in der Fondation Beyeler eröffnet den Rundgang mit einem Paukenschlag und leitet über zu einer sehr klassischen, musealen Inszenierung, die auf jede Effekthascherei verzichtet. Stattdessen wird grosser Wert darauf gelegt, beide Künstler in ihrer jeweiligen Eigenart angemessen und optimal zur Geltung kommen zu lassen. Das gelingt allein dadurch, dass anstelle einer forcierten Durchmischung Giacometti wie Bacon mit zusammenhängenden Werkgruppen präsentiert werden. Dem Publikum bleibt damit die nötige Freiheit, Ähnlichkeiten und Unterschiede auf eigene Faust zu entdecken und beider Werke angemessen zu -würdigen. Selten wurden zwei Künstler in einer Ausstellung trotz grosser stilistischer Unterschiede so ausdrucksstark und spannend präsentiert. Bravo! Nicht verpassen! 

Bis 
02.09.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Fondation Beyeler Schweiz Basel/Riehen
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Bacon - Giacometti 29.04.201802.09.2018 Ausstellung Riehen
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