Hello, Robot. — Ein Gruss in die Gegenwart

Yves Gellie · Human Version 2.07 Nexi, 2009, C-Print auf Barytpapier © Yves Gellie, Galerie du jour agnès b, Galerie Baudoin Lebon

Yves Gellie · Human Version 2.07 Nexi, 2009, C-Print auf Barytpapier © Yves Gellie, Galerie du jour agnès b, Galerie Baudoin Lebon

Besprechung

Die Ausstellung ‹Hello, Robot.› im Gewerbemuseum thematisiert das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine und wie dieses von Design und Populärkultur beeinflusst wird. Film und Literatur, aber auch Roboter aus Industrie, Pflege- und Wohnbereich werden mit ethischen und sozialen Fragen verbunden.

Hello, Robot. — Ein Gruss in die Gegenwart

Winterthur — Der Mensch erschafft die Maschine, um Arbeiten zu verrichten, die er selbst nicht übernehmen möchte. Doch nach und nach entwickelt der Android ein eigenes Bewusstsein – und rebelliert gegen seinen Schöpfer. Diese Handlung sollte einem wohl nicht allzu fremd vorkommen; schliesslich wurde sie seit dem frühen 20. Jahrhundert wiederholt in Science-Fiction-Erzählungen aufgegriffen. Erstmals wurde der Plot 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek verwendet. In seinem Theaterstück ‹R.U.R.› stellt das Unternehmen Rossum’s Universal Robots humanoide Maschinen her, welche die Menschheit von der Arbeit befreien sollen. Doch als ein Wissenschaftler ihnen menschliche Gefühle einpflanzt, kommt es zum Aufstand. Und noch heute, rund hundert Jahre später, bleibt die ambivalente Faszination des humanoiden Roboters allgegenwärtig: die künstliche Intelligenz, die uns dient, uns aber gleichzeitig zu zerstören vermag; zunächst unterlegen ist und uns dann doch immer ähnlicher wird. Dieses Thema wird beispielsweise im Film ‹Her› von 2013 aufgegriffen, der ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Darin verliebt sich der schüchterne Protagonist Theo-dore Twombly in seine Sprachassistentin Samantha. Was uns auf den ersten Blick als utopische Vorstellung erscheinen mag, ist näher an der Realität, als uns vielleicht bewusst ist. Nehmen wir als Beispiel ‹Paro›. Der therapeutische Roboter, der 2001 von Takanori Shibata vorgestellt wurde, ist einer Sattelrobbe nachempfunden und soll älteren, demenzkranken Menschen Zuneigung und Trost spenden. Durch haptische und optische Sensoren kann ‹Paro› seine Nutzerin oder seinen Nutzer erkennen und auf sie oder ihn eingehen, indem er beispielsweise schnurrt, wenn er gekrault wird. ‹Paro› wird bereits in dreissig Ländern eingesetzt, wobei wissenschaftliche Studien eine positive psychologische und soziale Wirkung belegen. Inwiefern unterscheidet sich nun die Beziehung zu ‹Paro› von derjenigen, die wir zu einem gewöhnlichen Haustier haben? Schliesslich wurden auch für Tamagotchis, um die man sich nicht ausreichend gekümmert hatte, virtuelle Friedhöfe eingerichtet. Diese Frage mag vielleicht absurd erscheinen, und doch hat sie in Anbetracht der schnell voranschreitenden technologischen Neuerungen ihre Daseinsberechtigung. Denn wie sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Roboter zukünftig gestalten soll, ist wohl eine der vielen Fragen, die wir uns bereits heute stellen sollten. 

Bis 
04.11.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hello, Robot 27.05.201804.11.2018 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Giulia Bernardi

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