Jean Dubuffet

Kurt Wyss · Le Grand Fichier, Sekretariat, Rue de Verneuil, Paris, 2.10.1970 © ProLitteris, Archives Fondation Dubuffet, Paris

Kurt Wyss · Le Grand Fichier, Sekretariat, Rue de Verneuil, Paris, 2.10.1970 © ProLitteris, Archives Fondation Dubuffet, Paris

Jean Dubuffet · L’exposition lumineuse, Palazzo della Promotrice delle Belle Arti, Turin, 1978 © ProLitteris, Archives Fond. Dubuffet, Paris

Jean Dubuffet · L’exposition lumineuse, Palazzo della Promotrice delle Belle Arti, Turin, 1978 © ProLitteris, Archives Fond. Dubuffet, Paris

Hinweis

Jean Dubuffet

Lausanne — Jean Dubuffet (1901–1985) im auf Fotografie spezialisierten Musée de l’Elysée? Durchaus! Der als Primitivist und Theoretiker der Art brut bekannte Künstler machte sich das Medium auf Schritt und Tritt zunutze. Der von der früher in Lausanne wirkenden Anne Lacoste in Zusammenarbeit mit der Fondation Dubuffet erarbeitete Überblick eröffnet deshalb auf verschiedenen Ebenen neue Zugänge zu Dubuffets Werk wie auch allgemein zu der komplexen Realität von Maler/innen und Plastiker/innen angesichts des seit dem 19. Jh. technisch immer raffinierter reproduzierbaren Bildes. So griff Dubuffet seit seinem Wiedereinstieg in die Kunst 1942 nach zwölf Jahren Tätigkeit im familiären Weinhandel auf die Fotografie zurück, um die Materialisierung seiner Werke mit fast buchhalterischer Genauigkeit in einer zuletzt über 13’000 Nummern enthaltenden Kartei zu dokumentieren, oft sogar in mehreren Zuständen, von denen er die letzte vernichtet haben mochte. Peinlich übersah er weiter die Aufnahmen, die den Händlern als Grundlage für ihre schon lange vor dem Internet oft virtuellen Verkäufe dienten oder in gelehrten Publikationen auftauchten, darunter dem bereits 1964 begonnenen Catalogue raisonné. Wie viele andere Künstler/innen arbeitete er darüber hinaus eng mit Fotojournalisten zusammen, um sich in den Massenmedien auch vor einem breiten Publikum in Szene zu setzen. Das Spannendste an der Geschichte ist aber zweifellos die Rolle, welche die Fotografie für Dubuffet immer wieder auch im Schöpfungsprozess spielte. So regten ihn die bahnbrechenden Graffiti-Fotografien von Brassaï 1933–1958 nicht nur zur Definition der nicht akademischen Kunst an, an die er in seinen eigenen Arbeiten – nicht ohne Widerspruch – grundsätzlich zeitlebens andockte. 1945–1950 griff er die Arbeiten von Brassaï auch in pastosen Gemälde sowie Holzschnitten und Lithografien auf. Ähnlich fruchtbar sollten die fotografischen Auslotungen der Böden und der Felsen der Vence mit dem Fotojournalisten John Craven 1958 werden. Von den Böden führt ein direkter Weg zu den malerischen ‹Matériologies› und druckgrafischen ‹Phénomènes› im folgenden Jahr. Die Felsen dagegen schwingen in der multimedialen Serie ‹Hourloupe› 1962–1983 nach, deren monumentale und spektakuläre Formen er – damals noch sehr umstritten – über das Dispositiv des Diapositivs an Helfer/innen delegierte. Weitere bezaubernde Episoden bilden die von der fluoreszierenden 3-D-Bildqualität des Veraskops angeregten Gemälde von Kühen, Wiesen und Steinen 1953–1954 und die anlässlich seiner Retrospektive in Turin 1978 an die Wände einer dunklen Höhle projizierten Motive aus seinen Gemälde.

Bis 
23.09.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Jean Dubuffet 30.05.201823.09.2018 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH
Künstler/innen
Jean Dubuffet
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier

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