Kunststadt Luzern — Zehn Jahre ‹Kunsthoch›

Claudie Bucher · Performance im Rahmen der Ausstellung Lena und ihr Puppenheim von Jürg Benninger, Galerie Vitrine, Kunsthoch 2016. Foto: Mischa Christen

Claudie Bucher · Performance im Rahmen der Ausstellung Lena und ihr Puppenheim von Jürg Benninger, Galerie Vitrine, Kunsthoch 2016. Foto: Mischa Christen

sic! Raum für Kunst, Kunsthoch 2016. Foto: Mischa Christen

sic! Raum für Kunst, Kunsthoch 2016. Foto: Mischa Christen

Lena Friedli

Lena Friedli

Laura Breitschmid

Laura Breitschmid

Corinna Holbein

Corinna Holbein

Fokus

Lena Friedli und Laura Breitschmid, die zwei Co-Präsidentinnen und Kuratorinnen von ‹Kunsthoch› Luzern, öffnen mir die Tür. Zusammen mit Corinna Holbein, die jüngst die Koordination des gemeinsamen Aktionstags der Kunstinstitutionen in und um Luzern übernommen hat, erwarten sie mich zum Gespräch anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Initiative. 

Kunststadt Luzern — Zehn Jahre ‹Kunsthoch›

Bruggmann: Nun jährt sich der Aktionstag ‹Kunsthoch› zum zehnten Mal. Einmal mehr bieten die beteiligten Museen, Galerien und Kunsträume durch Führungen, Parcours und weitere Veranstaltungen die Gelegenheit, sich ein Bild des Luzerner Kunstschaffens zu machen und mit Ausstellungs- und Kunstmachenden in Kontakt zu treten. Wie kam es eigentlich zur Gründung des ‹Kunsthoch›, an dem sich dieses Jahr 25 Kunstorte beteiligen?

Breitschmid: Im Gründungsjahr 2008 waren wir drei noch nicht mit von der Partie! ‹Kunsthoch› ging aus einer Eigeninitiative von drei Luzerner Off Spaces hervor. Die Alpineum Produzentengalerie, o.T. Raum für aktuelle Kunst sowie sic! Raum für Kunst lancierten die Veranstaltung ‹Kunst Hoch 3› mit dem Ziel, die Sichtbarkeit des zeitgenössischen Kunstschaffens in Luzern zu verstärken. Dieser Anlass war der Startschuss zur Bildung von immer mehr Seilschaften zwischen den unterschiedlichen Kunsträumen in Luzern. Man wollte gemeinsam etwas erreichen und mehr Sichtbarkeit für die Kunst generieren.

Bruggmann: Ach, von diesem ‹Hoch 3› kommt der Name ‹Kunsthoch› ursprünglich ...

Friedli: Ja. Mittlerweile spielt es jedoch keine Rolle mehr, wie viele Institutionen beteiligt sind. Denn ‹Kunsthoch› ist stetig gewachsen, was im Jahr 2012 auch zur Vereinsgründung geführt hat. Aber es ist ein bewusst mehrdeutiger Name. Die Anspielung auf den Jubelruf «Hoch lebe die Kunst!» ist natürlich gewollt!

Bruggmann: Laura, du bist bereits seit sieben Jahren dabei, Lena, du seit fünf. Du, Corinna, bist hingegen ganz frisch hinzugekommen und hast gleich die koordinative Leitung übernommen. Wird sich ‹Kunsthoch› unter deiner Ägide verändern?

Holbein: Konkrete Änderungspläne gibt es zurzeit keine. Ich sehe meine Rolle eher als Schnittstelle. Bei der Kunstvermittlung gibt es allerdings noch Potenzial. Hier lassen sich generationenübergreifende und sozial motivierte Angebote ausbauen.

Netzwerk und Austausch

Friedli: Dazu ist es wichtig zu wissen: ‹Kunsthoch› ist bewusst nicht kuratiert. Wir setzen keine Themen, sondern regen dazu an, dass die Beteiligten möglichst ansprechende Angebote durchführen. Darüber hinaus engagieren wir uns stark für die Kommunikation des Anlasses. Wir vom Vorstand sagen: Wir sind es nicht, die ‹Kunsthoch› machen, ‹Kunsthoch› ist die Summe aller Beteiligten.

Bruggmann: Hat sich durch ‹Kunsthoch› im Verlauf der letzten Jahre in der Luzerner Kunstszene etwas verändert?

Breitschmid: Die Dichte des Netzwerks ist gewachsen, der Austausch hat sich intensiviert. Auch die Solidarität hat zugenommen, so steht man bei Sparmassnahmen geschlossen zusammen.

Bruggmann: Netzwerk, das ist ein gutes Stichwort. In diesem spielt sicherlich auch die Kunsthochschule eine wichtige Rolle. Wie ist sie bei ‹Kunsthoch› involviert? Und welche Rolle spielt sie generell für die Kunst- und Kulturszene in Luzern?

Holbein: Die Kunsthochschule beteiligt sich mit einer Schau im eigenen Ausstellungsraum an ‹Kunsthoch›.

Breitschmid: Sie ist natürlich wichtig, um den künstlerischen Nachwuchs in die Stadt zu holen und damit einen Nährboden für Kunst und Kultur in Luzern zu schaffen.

Friedli: Und, um der Kunst in Luzern Gewicht zu geben. Gerade in kunstpolitischer Hinsicht ist sie ein zentraler Faktor. Wir erhoffen uns da auch in Zukunft eine entsprechende Gewichtung.

Es darf mehr Neues Geben

Bruggmann: Corinna, du hast in Berlin studiert, an der ZHdK den Master ‹ausstellen und vermitteln› absolviert und lebst zurzeit in Zürich. Wie erlebst du als «Aussenstehende» die Luzerner Kunstszene?

Holbein: Offengestanden war ich überrascht über die grosse Anzahl an Kunsträumen in Luzern! Gleichzeitig ist die Szene noch genügend überschaubar, dass im Verein ‹Kunsthoch› unterschiedlichste Institutionen mitmachen, von der Kunsthochschule über die Off Spaces und Galerien bis zur Kunsthalle und dem Kunstmuseum. Das ist schon einzigartig.

Friedli: Das erlebe ich oft! Wenn ich den Flyer zu ‹Kunsthoch› verteile, kommt häufig die Reaktion «Was, so viele Kunstinstitutionen gibt es in Luzern?!».

Bruggmann: Dabei wird die Frage nach dem Kunst- und Kulturangebot ja durchaus kontrovers diskutiert. Einerseits höre ich zuweilen die Klage, dass Luzern keine grosse Kunststadt sei. Im Kulturmagazin 041 vom Mai dieses Jahres äusserte sich der Publizist Marc Lustenberger hingegen gerade kritisch zur Überfülle des Angebots. In Luzern herrsche «Kulturüberfluss und Überdruss». Das war freilich auf die Kultur allgemein und nicht die Kunst allein gemünzt. Wie nehmt ihr das wahr? Braucht es noch mehr Kunsträume?

Friedli: Okay, damit wären wir beim Pius Knüsel-Argument vom «Kulturinfarkt». Ich bin da offengestanden hin- und hergerissen. Sicher ist, dass die Institutionen jetzt bereits um die gleichen Fördertöpfe buhlen. Das ist jedoch lediglich ein finanzieller und keinesfalls ein ideeller Aspekt.

Breitschmid: Das sehe ich nicht so wie Lustenberger. Ich finde es gut, wenn immer wieder neue Initiativen ergriffen werden und frischer Wind ins Getriebe kommt. Junge sollen sich ausprobieren können. Es darf mehr Neues geben!

Holbein: Es stellt sich auch die Frage, wo denn die Grenzen der Kunstszene sind. Ich finde in dieser Hinsicht gibt es noch Wachstumspotenzial. Da kann eben auch ‹Kunsthoch› durch Vermittlungsangebote einen Beitrag leisten.

Bruggmann: Welches Publikum wollt ihr mit ‹Kunsthoch› denn in erster Linie ansprechen? Seid ihr eher regional, national oder international orientiert?

Breitschmid: Ursprünglich war ‹Kunsthoch› eher regional orientiert und verstärkte vor allem das lokale Netzwerk an Ausstellungs- und Kunstmachenden. Wir sind aber zunehmend dabei, durch Werbung in anderen Städten weitere Kreise anzusprechen. Nationale Ausstrahlung ist klar unser Ziel und Anspruch.

Friedli: Ich bin ja eine bekennende Liebhaberin der lokalen Kunst! Und gerade in Luzern muss man stets den Spagat schaffen zwischen Lokalbezug und nationalem Anspruch. Also gerne Lokales fördern, aber stets den Blick über den Tellerrand wagen! Das gilt auch für ‹Kunsthoch›.

Bruggmann: Was ist das Resümee nach 10 Jahren ‹Kunsthoch›?

Breitschmid: Ein Jubiläum bedeutet ja im Grunde: Feiern, dass man so lange überlebt hat und dass der Schnauf und die Lust an der Zusammenarbeit weiteranhalten.

Friedli: ‹Kunsthoch› ist stärker als je zuvor! Über die zehn Jahre hat es ‹Kunsthoch› geschafft, ein Anlass für Fachpublika, Politik und weitere Kreise zu sein. In Zukunft wollen wir das Publikum und die Ausstrahlung noch erhöhen. Doch wir bauen jetzt keine Hüpfburg auf oder verkaufen Zuckerwatte, sondern setzen weiterhin auf Inhalte und Vermittlung.

Jana Bruggmann ist freie Autorin und Doktorandin an der Freien Universität Berlin. bruggmann@artlog.net

Kunsthoch Luzern, 25 Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in und um Luzern, ein gemeinsamer Aktionstag, 1.9., 12–19 Uhr
www.kunsthoch-luzern.ch

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Zehn Jahre Kunsthoch Luzern 2018 01.09.2018 Ausstellung Luzern
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Jana Bruggmann

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