Laure Prouvost

Laure Prouvost · Ring, Sing and Drink for Trespassing, 2018, Palais de Tokyo, Courtesy Nathalie Obadia, carlier | gebauer, Lisson Gallery. Foto: Aurélien Mole

Laure Prouvost · Ring, Sing and Drink for Trespassing, 2018, Palais de Tokyo, Courtesy Nathalie Obadia, carlier | gebauer, Lisson Gallery. Foto: Aurélien Mole

Laure Prouvost · Ring, Sing and Drink for Trespassing, 2018, Palais de Tokyo, Courtesy Nathalie Obadia, carlier | gebauer, Lisson Gallery. Foto: Aurélien Mole

Laure Prouvost · Ring, Sing and Drink for Trespassing, 2018, Palais de Tokyo, Courtesy Nathalie Obadia, carlier | gebauer, Lisson Gallery. Foto: Aurélien Mole

Hinweis

Laure Prouvost

Paris — Prouvost zieht es nach Paris. Die Turner-Preisträgerin, laut Lebenslauf zwischen London, Antwerpen und «einem Wohnwagen in der kroatischen Wüste» lebend, kehrt mit formidabler Geste als Flaneurin zurück. So filmte und flüsterte sie im bunten Nachbarschaftsgarten am Fuss des Palais de Tokyo, bestrich Pflanzen mit Creme oder streichelte Zweige, entdeckte magische Gefässe, Gestalten, Grotten. Das Video wird im Kunstzentrum projiziert, die Tür, neben der man sitzt, ist darin auch zu sehen, lädt fast zum «Übertritt» ein, zum «Trespassing» aus dem Ausstellungssaal ins Freie. «Ring, Sing and Drink for Trespassing» spielt sprachlich, plastisch, inszenatorisch mit den Ambiguitäten orgiastischer Transgression. Die meistert Prouvost wie immer hervorragend, verknüpft klug realen und visuellen Raum: «Ich gebe Dingen ihren Platz. Das tue ich aber wiederum auf eine Weise, dass ich sie dann nicht mehr kontrollieren kann, denn sie werden dann oft sehr anders wahrgenommen», sagte sie im Interview vor zwei Jahren (KB 12/2016). Auch diesmal hält sie die Spannung zwischen dramaturgischer Vorgabe und Wahrnehmungsöffnung, führt durch einen mit symbolreich gewebter Tapisserie ausgeschlagenen Korridor hinter die Kulissen. Dort lockt das Video «look here cat» von 2010 zwischen skopisches Begehren und Unheimliches, in nur kurzen Ausschnitten sieht man eine Katze, die einen Vogel totspielt. Wie durch einen Geburtskanal des Imaginären geht es weiter, vorbei an «Ho tu es show, chaud», einer Verbeugung vor Duchamp: Ein Éclaire (mit Kaffeecreme gefüllter länglicher Windbeutel) und eine asiatische Limonadendose flirten sich von gegenüberstehenden Sockeln aus an. An den mit Stimmen versehenen Objekten kristallisiert sich «genre» im Sinn von Geschlecht, Kunst-Art, Verwandtschaft. Vor dem Hauptsaal des Rundgangs hängen Pappmaché-Brüste und andere Fetische in getrocknetem Geäst. Allusion an dionysische Frauenmacht? «We will feed you Big Time», der eigens produzierte Brunnen, in dem rosa Brüste Wasser speien, erscheint jedenfalls wie eine Skulptur à la Niki de Saint Phalle 2.0. Barbusig hat Prouvost mit der Kuratorin Daria de Beauvais darin entfesselt getanzt, wie ein Video zeigt, das ab und an auf Bildschirmen erscheint. Nach weiteren Verschiebungen von Bild, Sinn, Symbolen und Körpern klettert man durch einen Schlitz in der Wand ins Palais zurück. Prouvost, die der Kunst «etwas eher Philosophisches» attestierte, ist nicht «Geburtshelfer des Denkens» wie einst Sokrates. Vielmehr betreibt sie als «sage femme» die Hebammenkunst des Imaginären. 

Bis 
09.09.2018
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Laure Prouvost 22.06.201809.09.2018 Ausstellung Paris
Frankreich
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