Offcut

Offcut Zürich, Materialmarkt in den SBB-Werkstätten. Foto: Anna Pfister

Offcut Zürich, Materialmarkt in den SBB-Werkstätten. Foto: Anna Pfister

Hinweis

Offcut

Zürich — Wo einst Züge repariert wurden, erhebt sich nun eine ‹Werkstadt›. Im Rahmen einer Zwischennutzung finden in den SBB- Werkstätten in Altstetten neue Mieter Räume, darunter seit Februar dieses Jahres Offcut Zürich, ein Markt für gebrauchte Materialien zur kreativen Wiederverwertung. Hier finden nicht nur Kunst- und Kulturschaffende (fast) alles, was Herz und Seele begehren.
Die Räume samt Foyer beim Eingang sind hell und luftig, das Angebot ist gross und präsentiert sich geordnet genug für eine erste Übersicht, ohne jedoch allzu penibel ausgerichtet zu sein; eben so, wie man es gerne hat. Es gibt Papier in vielen Grössen, Korkzapfen, Kartonröhren, Holzkugeln, kleine Säcke mit gemischten, glitzernden Kleinigkeiten zum Verzieren, ein Schild informiert «Konfetti! Hui!»; auf der anderen Seite des Korridors türmen sich auf dem Regal Plättli, elektrische Bauteile, kleine Stücke aus Buntglas, Schrauben, braune Apothekerflaschen. Eine grosse Auswahl an Stoffen kann zugeschnitten werden, und wer die administrative Seite der Kunst nicht vernachlässigen möchte, findet dafür eine Kollektion farbiger Ordner. Gut verwertbare, ungiftige und saubere Materialreste werden gerne unentgeltlich entgegengenommen; das Team entscheidet jeweils vor Ort, was Eingang ins Sortiment findet. Ziel ist das (Wieder-)Verwerten gewöhnlicher wie ungewöhnlicher Produktionsüberschüsse und deren Rückführen in den Arbeitskreislauf. Hier lässt sich herrlich stöbern, und wie früher in den alten Handlungen werden gewisse Artikel offen verkauft – man schöpft eine Handvoll, geht zum Tresen und legt seine Schätze auf die Waage, worauf dann der Preis berechnet wird. 150 Gramm Hosenknöpfe? Kein Problem. In der Schweiz wird dieses aus dem angelsächsischen Raum stammende Konzept mit Wurzeln in Sydney seit gut fünf Jahren gepflegt, auf dem Dreispitzareal in Basel eröffnete der erste OFFCUT-Materialmarkt seine Pforten. Unterstützt durch ‹Engagement Migros› wird seit einem Jahr der Aufbau eines nationalen Netzwerks vorangetrieben, mit Zürich als erstem neuen und gleichberechtigten Standort. Unter den vielen am Anschlagbrett ausgeschriebenen lokalen und kollaborativen Aktionen seien die ‹Papergirls Zürich› erwähnt, die bis zum 12. September zusammenrollbare Kunstwerke für ihre Ausstellung sammeln. Vor der Südfassade der Werkstadt gedeiht zudem ein kleiner Salatgarten, welcher den Nachschub an Vitaminen zu decken hilft.

Haltestelle SBB-Werkstätten, Bus 31, geöffnet Donnerstag, Freitag, Samstag, www.offcut.ch

Autor/innen
Thomas Schlup

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