Situations/Posthuman

Joanna Zylinska · Nonhuman Vision, 2018, Videostill, Video-Essay, 7’6’’

Joanna Zylinska · Nonhuman Vision, 2018, Videostill, Video-Essay, 7’6’’

René Mächler · Lochblenden Luminogramm, 1968, C-Print © Fotostiftung Schweiz © ProLitteris

René Mächler · Lochblenden Luminogramm, 1968, C-Print © Fotostiftung Schweiz © ProLitteris

Hinweis

Situations/Posthuman

Winterthur — Seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert wurde Fotografie als Nachbildung der Welt aus menschlicher Sicht verstanden, die allein für das menschliche Auge bestimmt ist. Doch fast zwei Jahrhunderte später, in einer Gegenwart, die wir zunehmend durch maschinelle Aufnahmen von Überwachungskameras oder Satelliten wahrnehmen, scheinen die Positionen zwischen Fotografierenden und Betrachtenden plötzlich verhandelbar. Damit setzt sich das experimentelle Ausstellungsformat ‹Situations/Posthuman› auseinander, das sieben künstlerische Positionen umfasst.
Autorin und Professorin Joanna Zylinska entkoppelt in ihrem Video-Essay ‹Nonhuman Vision›, 2018, die Fotografie vom menschlichen Handeln. Die Aufnahmen entstanden mit einem Autographer, einer automatisch auslösenden Kamera, die sie um den Hals trug. Während das 136-Grad-Weitwinkelobjektiv das menschliche Auge nachahmt, stellen eine Reihe von Sensoren Veränderungen in der Umgebung fest, welche die Kamera dazu veranlassen, ein Bild zu machen. Dazu gehören Farb- und Lichtveränderungen sowie Bewegungen und Temperaturschwankungen. So erforscht Zylinska die Möglichkeiten des nicht menschlichen Sehens, die dem linearen und statischen Blick entgegenstehen, der sich seit der Camera Obscura etabliert hat. Dazu sagt sie: «the expanded understanding of photography as non human [...] will also encourage a different view of both ourselves and what we humans call the world.» Auch Marek Jancovic, Dozent und Doktorand an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, erforscht die Bedeutung des fotografischen Prozesses, wird dieser der menschlichen Hand entzogen. In seinem Essay ‹Animal technics›, 2018, untersucht er das Spannungsfeld zwischen Mensch, Tier und Technologie, analysiert Situationen, in denen Tiere mit fotografischen Apparaten ausgestattet werden und wie sich dadurch das menschliche Verständnis des Lebens auf der Erde verändern könnte. Ein von ihm erwähntes Beispiel beschreibt einige Reservate in Südafrika, die Nashörner mit Kameras ausstatten, um Wilderei zu bekämpfen. So wird das Tier zum lebendigen Aufzeichnungsgerät, das die eigene Ausrottung dokumentiert. Sowohl bei Joanna Zylinska als auch bei Marek Jancovic liegt der fotografische Prozess ausserhalb vom Subjektiven, wodurch die noch gängige Hierarchie infrage gestellt wird, die den Menschen als Autor und Adressat sieht. 

Bis 
16.09.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
SITUATIONS/Posthuman 07.07.201816.09.2018 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

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