Wo deine Füsse stehen …

Anita Kuratle · I was here, 2018 (Detailansicht), Multicast, Wandfarbe, Projektion

Anita Kuratle · I was here, 2018 (Detailansicht), Multicast, Wandfarbe, Projektion

huber.huber · Mnemosyne, 2018, Duft Petrichor (Sommerregen auf Asphalt), Diffusor, Glastropfen

Hinweis

Wo deine Füsse stehen …

Arbon — Mit einer verheissungsvollen Ausstellung wartet die Kunsthalle zum Jubiläum auf. Die Kuratorin Deborah Keller zeigt 16 Positionen von Kunstschaffenden, die alle eine Beziehung zur Bodenseeregion aufweisen. In der Ausstellung ‹wo deine Füsse stehen …› stellen sie in Anlehnung an eine gleichlautende Songzeile der Band Element of Crime raumbezogene Fragen. Welche individuellen Raumbegriffe eröffnen sich demnach für den eigenen Standpunkt? Die Hallenfläche der ehemaligen Fabrik für Blechpressteile wird durch zahlreiche Kunstwerke belebt. Dabei wird man an Foucaults Bezeichnung des 20. Jahrhunderts «als Säkulum des Raums» erinnert. Spätestens nach dem kultur- und sozialwissenschaftlich geprägten «Spatial turn» seit Ende der Achtzigerjahre wird auch hier offenbar, dass das Soziale den architektonischen Raum konstituiert, der überdies durch das Mentale und Gefühlsbetonte erweitert und interdisziplinär wahrnehmbar ist.
Dem mäandrierenden Publikum wird vor der mit Holzlatten konstruierten kubischen Installation ‹Das Fremde›, 2014, des Künstlers Pfelder das Ausgeschlossensein schmerzhaft vermittelt, mit nur bruchstückhaft erhaschten menschlichen und tierischen Klängen, die vieldeutigen Spekulationen ausgesetzt sind. Noch sublimer begegnet man der 2018 entstandenen, raumgreifenden Arbeit ‹Mnemosyne›, 2018 – altgriechisch «Gedächtnis» – des Künstlerkollektivs huber.huber. Süsse synthetische Raumdüfte stechen einem in die Nase. Perlige Spuren auf dem Ausstellungsgrund evozieren den Geschmack von Regen, der auf erdigen Böden absorbiert wird. Die Reminiszenz in narbigen Abdrücken des Schriftzugs «I was here» der Künstlerin Anita Kuratle auf der lichtgetränkten Wand erweckt wie in eingravierten Baumstämmen Bilder einer Präsenz und Absenz zugleich. Aus dem «Unterbewusstsein» des Baukörpers dringen Töne und laden die Besucherschaft zur experimentellen Videoinstallation ‹Berg und Beton›, 2013, der Künstlerin Simone Zaugg im Untergeschoss ein. Zu jenen Eindrücken, die eine kulturkritische Auseinandersetzung mit der Albigna Staumauer im Bergell als historische und biografische Raumvermessungen zeigen. Fernab territorialer Begrenzungen nimmt man nach diesem Rundgang wohl das Gefühl von Gedankenfreiheit mit. Leider wird der Mensch im öffentlichen Raum überwacht und hinterlässt kontinuierlich digitale Spuren. Diese Tatsache belegt die Gruppe U5, deren Mitglieder seit ihrer Studienzeit an der Zürcher Hochschule der Künste alle ihre Arbeitsräume filmisch dokumentieren. Was intim begann, erscheint hier gesellschaftsrelevant – gespeichert, gestreamt werden die über eine Webkamera aufgenommenen Bilder des Ausstellungspublikums und über die Website des Kollektivs publik gemacht. 

Bis 
23.09.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Wo deine Füsse stehen - 25 Jahre Kunsthalle Arbon 19.08.201823.09.2018 Ausstellung Arbon
Schweiz
CH
Künstler/innen
huber.huber
Anita Kuratle
Simone Zaugg
Autor/innen
Ursula Meier

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