Alterazioni Video, Özlem Altin

Alterazioni Video · Invitation for a Dream, 2019, Videom 18’10’’, Videostill

Alterazioni Video · Invitation for a Dream, 2019, Videom 18’10’’, Videostill

Özlem Altin · Ganglia (plaiting fate), 2019, Tinte und Lack auf Fotoprint auf Hahnemühle-Papier, 100 x 91,4 cm 

Özlem Altin · Ganglia (plaiting fate), 2019, Tinte und Lack auf Fotoprint auf Hahnemühle-Papier, 100 x 91,4 cm 

Hinweis

Alterazioni Video, Özlem Altin

Meran — In kaum einem anderen Land gibt es so viele Bauruinen wie in Italien. Brücken, die ins Nichts führen, Spitäler, von denen nur das rohe Mauerwerk steht, halbfertig stehen gelassene Schwimmbäder, Bibliotheken oder Wohnanlagen. Das Künstlerkollektiv ‹Alterazioni Video, das von Paololuca Barbieri Marchi, Alberto Caffarelli, Matteo Erenbourg, Andrea Masu und Giacomo Porfiri 2004 in Mailand gegründet wurde, hat in einer zehnjährigen Recherche italienweit insgesamt 750 Bauwerke dokumentiert, die nie zu Ende gebaut wurden. Allein 350 davon in Sizilien. Die Gründe der Baustopps sind vielfältig: Der Einfluss der Mafia, das Versiegen öffentlicher Gelder, das Ausbleiben von Schmiergeldzahlungen. Das Künstlerkollektiv verweist darauf, dass das Unvollendete mittlerweile zum grössten Baustil der Nachkriegszeit geworden ist. Wenn wir gebannt vor der Grossbild-Projektion ‹Invitation for a dream›, 2018, Platz nehmen und ausgewählte Beispiele der Recherche an uns vorüberziehen sehen, wähnen wir uns in einem Science-Fiction-Film, dessen Ausstattung von einer funktions- und sinnlos in der Landschaft klotzenden Trümmer­architektur geprägt scheint. In der Ausstellung ‹Incompiuto› (unvollendet) berichtet das Kollektiv von den Verästelungen dieses «neuen Stils» in unterschiedlichsten Medien. So ist unter anderem auch die Collage ‹Astronave madre› (Mutterschiff), 2008, zu sehen, der unvollendete Bauten in Giarre (Catania) zugrunde liegen, sowie die raumfüllende Säuleninstallation ‹Palms›, 2018, und eine Mixed-Media-Installation zu einem Mode-Projekt in Kooperation mit Virgil Abloh, dem künstlerischen Leiter bei Louis Vuitton und Schöpfer des Fashion-Brands ‹Off-White›.
In einer zweiten Ausstellung gibt Kunst Meran Einblick in das Schaffen der in Berlin lebenden Künstlerin Özlem Altin (*1977, Goch, D). Altin verbrachte im vergangenen Frühjahr zwei Wochen in Meran und liess sich hier von der Sage um eine Seejungfrau, die einst im Karersee lebte, zu einer Werkserie von Zeichnungen, Bildern und Fotografien inspirieren. Die Wasseroberfläche dieses Sees stellt für die deutsche Künstlerin gleichsam eine Membran respektive eine «Linse» dar, die den Blick in eine andere Welt ermöglicht oder diese wiederspiegelt. Kuratorin beider Ausstellungen ist Kunst-Meran-Leiterin Christiane Rekade. 

Bis 
22.09.2019

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