Aus den Tiefen der Zeit

Oberitalienische Malerwerkstatt, Darstellung der Dreifaltigkeit, um 1500, Deckenmalerei Lavin, evangelische Kirche. Foto: Florio Puenter 

Oberitalienische Malerwerkstatt, Darstellung der Dreifaltigkeit, um 1500, Deckenmalerei Lavin, evangelische Kirche. Foto: Florio Puenter
 

Fernandez Carlee, Bear Study Diptych, 2004, C-Print, je 51 x 41 cm. Privatbesitz

Fernandez Carlee, Bear Study Diptych, 2004, C-Print, je 51 x 41 cm. Privatbesitz

Hinweis

Aus den Tiefen der Zeit

Chur — Das Bündner Kunstmuseum/BKM öffnet sich anlässlich seines 100. Geburtstags gegenüber der Vormoderne und stellt zugleich Fragen zur aktuellen Tendenz, Kunst in Ausstellungen möglichst breit zu kontextualisieren. Wird nicht das kritische, visionäre Potenzial der intellektuellen Spitzenproduktion hierdurch oft nur verwässert? Vor allem prähistorische, antike und mittelalterliche Kunstwerke, welche im 20. Jahrhundert durchaus neben die Arbeiten eines Picasso, einer Meret Oppenheim oder eines Pollock gesetzt und für ihre freischwingende Imagination gleichermassen geachtet werden, hat diese Praxis regelrecht überrollt. Geleitet von einer Idee des Architekten Peter Zumthor, der innerhalb eines Kollektivs die erste Erweiterung der Villa Planta verantwortete, hat der künstlerische Leiter Stephan Kunz zusammen mit Fotograf Florio Puenter in den lauschigen Gemächern dieses Hauses eine Schau erarbeitet, die den Blick auf die im Bündnerland enstandenen oder hängen gebliebenen Perlen von Kunstschaffenden bis zur um 1530 einsetzenden Reformation ergreifend konzentriert. So kommen diese vor dunklem Grund in schwarz-weissen mit einer Grossbildkamera gemachten Aufnahmen im Massstab 1:1 an das Licht: Eine rare in Falera gefundene Nadel aus der Bronzezeit, deren runder, flacher Kopf berückend mit einer Punktreihe verziert ist, die lebendigen Kassetten der die ganze Weltgeschichte deutenden Decke in Zillis aus dem 12. Jahrhundert oder eine schier surrealistisch anmutende Freske der Trinität in Lavin um 1500. Die von der Farblosigkeit bekräftigte Absenz der Objekte setzt Erinnerungen und Gedanken in Gang und weckt Entdeckungslust. Die sonst in der Villa Planta präsentierte Sammlung ist dagegen auf einer der beiden Ausstellungsetagen im Neubau von Barozzi/Veiga in Gegenüberstellungen zur Landschaft zu entdecken. Damit wird sich im November auch noch ein Symposium beschäftigen. Unterdessen kann man sich auf der anderen Etage in der thematisch nicht allzu weit davon entfernten Ausstellung ‹Passion. Bilder der Jagd›, die Stephan Kunz zusammen mit dem Journalisten Peter Egloff kuratiert hat, in eine der primitivsten und auch intensivsten Aktivitäten des Menschen vertiefen, die in Metaphern omnipräsent ist. In der Gegenwartskunst hat sich sogar in Bezug auf Reflexionen und Recherchen zu unserem Verhältnis zur Wildnis nicht zuletzt in uns selbst ein wahrer ‹animal turn› gezeitigt. 

Bis 
24.11.2019

→ ‹Aus den Tiefen der Zeit: Kunst in Graubünden vor 1530›, bis 15.9.; ‹Passion. Bilder der Jagd›, bis 27.10.; ‹Transversal. Landschaften aus der Sammlung›, bis 24.11., Bündner Kunstmuseum
www.buendner-kunstmuseum.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Passion. Bilder von der Jagd 22.06.201927.10.2019 Ausstellung Chur
Schweiz
CH
TRANSVERSAL. Landschaften aus der Sammlung 16.03.201924.11.2019 Ausstellung Chur
Schweiz
CH
Autor/innen
Céline Gaillard
Künstler/innen
Florio Puenter

Werbung