The Big Sleep

Laurie Palmer · Hole, 2010–2019, recyceltes Holz, 213 x 518 x 518 cm. Foto: Florian Holzherr

Laurie Palmer · Hole, 2010–2019, recyceltes Holz, 213 x 518 x 518 cm. Foto: Florian Holzherr

Vera Lossau · I lost an eye, but it does not matter, 2018, Basketbälle, 35 x 70 x 45 cm, Kunststoff, Metall © ProLitteris

Vera Lossau · I lost an eye, but it does not matter, 2018, Basketbälle, 35 x 70 x 45 cm, Kunststoff, Metall © ProLitteris

Hinweis

The Big Sleep

München — Als Motto für die aktuelle ‹Biennale der Künstler› zitieren die Ausstellungsmacher im Haus der Kunst heuer Raymond Chandlers berühmten Krimi ‹The Big Sleep›. Der Assoziationsraum ist dementsprechend weit, er führt in ein vages Terrain zwischen Traum und Tod. Dabei kann man den Titel durchaus auch als Kommentar zur Lage des Hauses lesen: ohne künstlerischen Leiter, finanziell klamm, die grosse Sanierung steht bevor. Seit 2013 wird die Jahresausstellung des Münchner Künstlerverbundes zweijährig veranstaltet, jeweils mit einem Gastland – heuer sind das die USA. Neun amerikanische Kollegen wurden eingeladen, darunter die Altmeister James Turrell und Paul McCarthy. Letzterer bespielte 2005 unter Chris Dercon das Haus mit der opulenten Schau ‹Lala Land Parodie Paradies›. Darum ist jetzt u. a. sein Haus der Kunst als Blumenkübel nochmals zu sehen. Tatsache ist, dass in der halbstaatlichen Institution derzeit einiges im Argen liegt – doch diese Rückwärtsgewandtheit tut der Schau auch nicht gut. Und so vielfältig ist die Auswahl der 33 Künstler, dass man irgendwann aufhört, nach einem konsequenten Konzept zu suchen. Einige Einzelwerke allerdings beeindrucken: Etwa Vera Lossaus Lehm-Version des Teppichs aus Sigmund Freuds Behandlungszimmer mit dem schönen Titel ‹I digged and found the Earth is flat›. Als Gegenstück dazu könnte man Laurie Palmers ‹Hole› interpretieren: Mitten im Raum tut sich ein Schlund aus Bauholz auf, der in den Abgrund zu führen scheint. Jutta Burkhardt wiederum schuf eine mit Tusche vorgezeichnete und dann zur Tapete vergrösserte Seelenlandschaft. ‹Perceptual Decoupling IV› bezieht sich auf das Phänomen der Entkopplung von Wahrnehmung und Wirklichkeit und ist eine abstrakte Zeichnung, in deren Untiefen man sich verlieren kann. Ebenfalls in andere Sphären, wenn auch eher meditativ als bedrohlich, führt Tanja Hemm, die einen komplett leeren Saal zur lichten Echo-Kammer ihrer subtilen Klang-Collage macht. Herbert Nauderer führt mit seiner Mixed-Media-Installation ‹The Madhouse – Parasite Island› in eine Art Panikraum, in dem familiäre und kollektive Traumata erst recht Klaustrophobie erzeugen. Michael Sailstorfer hingegen lenkt den Blick in ein architektonisches Zwischenreich: Er hat seine ‹Solarkatzen› auf die filigrane Struktur des Oberlichtfensters gesetzt, fünf ausgestopfte Katzen im technischen Un-Raum zwischen Ausstellungssaal und Aussendach. Fazit: Hier ist viel geboten, aber es gibt noch Luft nach oben. 

Bis 
08.09.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
The big sleep 19.07.201904.09.2019 Ausstellung München
Deutschland
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