Carmen Perrin — Reprends ton souffle

Carmen Perrin · Reprends ton souffle, 2018, Fettkreide auf Weltkarte, 80 x 140 cm

Carmen Perrin · Reprends ton souffle, 2018, Fettkreide auf Weltkarte, 80 x 140 cm

Carmen Perrin · Les anges déchus, 2019, Ephemere Installation, emaillierte Glasrohre und Kerzen, 370 x 3200 x 15 cm

Carmen Perrin · Les anges déchus, 2019, Ephemere Installation, emaillierte Glasrohre und Kerzen, 370 x 3200 x 15 cm

Besprechung

Die Schau im Kunsthaus Grenchen ist seit zwanzig Jahren die erste institutionelle Einzelpräsentation der Genfer Künstlerin Carmen Perrin in der Deutschschweiz. Mit einer ortsspezifischen Installation im Neubau sowie Objekten, Installationen, Zeichnungen und Videos vermittelt sie einen dichten Überblick.

Carmen Perrin — Reprends ton souffle

Grenchen — Carmen Perrin (*1953) ist eine Reisende. Immer wieder, so erhalten wir im Kunsthaus Grenchen den Eindruck, nimmt sie uns mit und konfrontiert uns mit ungewöhnlichen Medien und Materialien: mit fremdsprachlichen Wörtern, mit Kautschuk, mit alten Autoreifen und gebrannten Lehmziegeln, mit Handwerkserzeugnissen aus dem brasilianischen Urwald, mit der Farbgebung von Bruno Tauts Gartenstadt-Wohnsiedlung in Berlin oder mit dem überraschenden Einsatz von Drehscheiben und Schlag-Schnur. Dabei gehen ihre Installationen, Grafiken und Objekte oft von einfachen Geometrien und Formen aus. Durch die Repetition von Elementen, die serielle Anordnung oder durch Ausdünnen, Aushöhlen und Verschieben fordert sie uns auf, genauer hinzuschauen und lässt uns in einer wiederholten Ausfräsung  schillernde neue Formen erkennen. Oft sind es auch die Titel der Arbeiten, die unsere Wahrnehmung ins Gebiet der Poesie rücken, die immaterielle Schwingungen zwischen zwei, drei Wörtern oder Begriffen erzeugen. Der Schriftzug ‹Reprends ton souffle›, 2018, verdeckt als eine über das ganze Bildfeld gezogene Aufforderung eine Weltkarte. Die Wortfolge wurde durch eine simple Verschiebung von grafischen Balken in einem einfachen Linienmuster gebildet. ‹Postures›, 2016, ist eine Wiederholung von Gesten in Handschuhen in Latex, die zu einem netzartigen wandfüllenden Format zusammengefügt worden sind. ‹Tourné-coulé-flaques›, 2017, lässt ein geometrisches, mithilfe einer Drehscheibe aus dünnen Bogenlinien gebildetes Kreismuster in einen wolkigen Flaum von Farbflecken aufgehen. ‹Gaia›, 2017, zeigt ein Atlas-Modell aus einer mit Polsternägeln und Wachs bearbeiteten Weltkugel. Eine besonders eindrückliche Installation ist der Künstlerin mit ‹Les anges déchus› (Die gefallenen Engel), 2019, gelungen. 370 brennende Kerzen werfen Sätze an die Wand des Neubaus im Kunstmuseum und evozieren eine Passage aus einem Roman von Davis Grubb, in dem zwei Kinder vor einer bedrohlichen Person flüchten müssen. Diese Installation bringt ein Arbeitsprinzip von Carmen Perrin auf den Punkt. Der Ausgangspunkt kann dunkel, schwarz, unheimlich sein. Das flackernde Licht, die fragilen hellen Stellen aber sorgen für ein Kippen der Atmosphäre. Schönheit und Emotion treten in den Vordergrund. 

Bis 
22.09.2019

→ Carmen Perrin, Kunsthaus Grenchen, bis 22.9.; ‹Les anges déchus› (Die gefallenen Engel), Neubau, am 28.9., ab 14 Uhr ↗ www.kunsthausgrenchen.ch

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