Editorial — Maske

Andrea Heller · Maske, 2013, Tusche und Aquarell auf Papier, 26 x 18 cm © ProLitteris

Andrea Heller · Maske, 2013, Tusche und Aquarell auf Papier, 26 x 18 cm © ProLitteris

Editorial

Editorial — Maske

Am hellsten leuchtet die Stirn. Hier scheint sich die Tinte zu verflüchtigen und durchscheinend zu werden. Doch wo kommt das Licht eigentlich her? Scheint es auf das Papier oder durch das ­Papier? Und blicken wir auf einen im Dunkeln angeleuchteten Schädel oder doch eher aus einer Höhle ins Freie? Was ist Materie, was nicht? Wo ist oben, wo unten? Die Ambivalenz ist gewollt. Andrea Heller lässt die Situation in ihren Bildern und Installationen bewusst offen: Es können Landschaften oder Architekturen sein, oder auch Bedrohungen, im ­Makro-, Mikro- oder Nanobereich. Die Künstlerin malt ihre Werke mal so, mal so. Sie dreht und wendet sie und experimentiert mit diversen Pigmenten und Bindemitteln. Die Wahl der Farben – mit Schellack gebunden oder wasserlöslich – und der Grad der Verschmutzung und Verdünnung führen zu unterschiedlichen Formen des Verfliessens und der Abstossung. Mal erscheinen die Töne fein nuanciert, mal trocknen sie in Schlieren, mal werfen sie Blasen, mal platzen sie weg und hinterlassen helle Lichtpunkte. Der rotbraune Schellack auf Basis von Harz, der von Läusen ausgeschieden wurde, erinnert an stockendes Blut. Und auch die Art und Weise, wie der Pinsel kreiselnd über das Blatt geführt wird, bis er alle Farbe abgegeben hat, lässt an wabernde, organische Prozesse denken. Das Werk heisst ‹Maske›, was einen Hinweis zum Motiv gibt: «Der Titel bezieht sich auf das ambivalent vorhandene ­(maskierte) ­Gesicht und spricht gleichzeitig das an, was sich auch dahinter verbergen könnte. Ein Spiel zwischen Verborgenem und Sicht­barem.» Die Rhomben könnten auch anders geschichtet werden, die Maske liesse sich so oder andersrum tragen, und vielleicht ist es gar ­keine Maske, sondern das Nachbild einer Person, die längst auf und ­davon ist.

Künstler/innen
Andrea Heller
Autor/innen
Claudia Jolles

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