Frenzi Rigling — ‹Textur›

Frenzi Rigling · Corinna 3, 2016, Textil auf ­Leinwand, 160 x 200 cm

Frenzi Rigling · Corinna 3, 2016, Textil auf ­Leinwand, 160 x 200 cm

Frenzi Rigling, Atelieraufnahme, 2019

Frenzi Rigling, Atelieraufnahme, 2019

Hinweis

Frenzi Rigling — ‹Textur›

Schaffhausen — Kleider und Sprache begleiten Frenzi Riglings künstlerische Arbeit seit Jahrzehnten. Diese Materialien sind ihr poetisches Material, aber auch Mittel, die unmerkliche Serialität und Wiederholung im Alltag anschaulich zu machen. Zu sehen sind Werke der Künstlerin nun in der Vebikus Kunsthalle.
Auf dem Tisch liegen Stoffreste, gebündelt, umgeschlagen und mit einer Stecknadel festgemacht. Es sind die Reste von Stoffen ihrer Mutter, einer Schneiderin, die Frenzi Rigling (*1958, Schaffhausen) zu Bildern verarbeitet. Das Atelier von der Schweizer Künstlerin, die schon länger in Österreich lebt, ist immer von irgendwelchen textilen Resten übersät. Der helle langgezogene Raum im ehemaligen Bauernhof im Weinviertel dient ihr als Arbeitsraum, aber auch als Lager von Erinnerungen, als Durchgangsstation von Arbeiten, die sich in langandauernden Prozessen befinden. Oft sind es Textilien, welche die Künstlerin zu ihren Arbeiten inspirieren. In erster Linie ihre eigene Kleidung. Seit einigen Jahren zeichnet Frenzi Rigling fast täglich die Kleidungsstücke, die sie jeweils trägt. Blusen, Hosen, Röcke, Unterwäsche, Jacken, Mäntel, Taschen, in Tusche auf einfache weisse A4-Papierbogen. Die Blätter von ‹Diary› werden offen übereinander auf einen Stapel gelegt. Auch in Performances wird Kleidung immer wieder ein Thema. Im Jahr 2002 hat die Künstlerin den Teppich mit dem Namen ‹Der süsse Brei› begonnen. Menschen, Besucher*innen, Nachbar*innen bringen ihr nicht mehr getragene Kleidung. Socken, Pullover, Jupes, Schals, Hosen, Blusen werden ausgelegt und mit Nadel und Faden zusammengefügt. Oft hat sie nähend Tag für Tag mehrere Stunden in ihren Ausstellungen gesessen. Der Teppich ist so mittlerweile bereits auf über hundert Quadratmeter angewachsen. Das Sammeln von Gegenständen und Erinnerungen, die Arbeit mit Fundstücken und Geschichten ist ein Grundprinzip in Frenzi Riglings Schaffen. Texte tauchen in Bildern und Objekten immer wieder auf, Gedichte, kurze Sätze, Ausrufe. Die Poesie und die Erzählungen der Schweizer Schriftstellerin Corinna S. Bille sind treue Begleiter in ihrem Werk. Die Künstlerin wählt Poesie-Zeilen oder kurze Sätze aus Erzählungen der Westschweizer Autorin, um sie in einer Art Negativschrift auf die Leinwand zu bringen. Eher verborgen, denn sichtbar. Text wird so zu einem unlesbaren und geheimnisvollen Zeichenstrom. 

Bis 
29.09.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
TEXTUR 10.08.201929.09.2019 Ausstellung Schaffhausen
Schweiz
CH
Autor/innen
Sibylle Omlin
Künstler/innen
Frenzi Rigling

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