Gabriela Gerber & Lukas Bardill — Fuchsenwinkel

Gabriela Gerber & Lukas Bardill · Punkte und Linien (WEF19) Nr. 8, 2019, Fineartprint auf Bütten­papier, 21,4 x 32,1 cm © ProLitteris

Gabriela Gerber & Lukas Bardill · Punkte und Linien (WEF19) Nr. 8, 2019, Fineartprint auf Bütten­papier, 21,4 x 32,1 cm © ProLitteris

Gabriela Gerber & Lukas Bardill · Himmel auf, 2019, Videoinstallation auf Kreuzgewölbe, ­Ausstellungsansicht auf der Empore im Grossmünster in Zürich © ProLitteris

Gabriela Gerber & Lukas Bardill · Himmel auf, 2019, Videoinstallation auf Kreuzgewölbe, ­Ausstellungsansicht auf der Empore im Grossmünster in Zürich © ProLitteris

Besprechung

Ihre Videoinstallation ‹Himmel auf› ist zurzeit in einem Kreuzgewölbe des Grossmünsters zu sehen, weitere ortsspezifische Werke und Projektionen in Sargans und in St. Antönien. Zudem haben Gabriela Gerber & Lukas Bardill auch für ihre Einzelausstellung in der Galerie Luciano Fasciati neue Arbeiten entwickelt.

Gabriela Gerber & Lukas Bardill — Fuchsenwinkel

Chur — Der Fuchsenwinkel ist eine Talenge zwischen Schiers und Jenaz. Zwar führen an ihm ein Eisenbahntunnel, eine Schnell- und eine Landstrasse sowie die Landquart vorbei, als offenes Gelände hat er nebst seiner Transitfunktion allerdings keinen bestimmten Nutzen und stellt ein Widerspiel zwischen Naturraum und Zivilisation dar. Ein solcher (subjektiv empfundener) Un-Ort lässt im Gegensatz zu klar definierten Schauplätzen vielfältige Assoziationen zu: Er ist ein Möglichkeitsraum, der dazu anregt, die Wahrnehmung zu schärfen. Damit rückt er ins Zentrum des Interesses des Künstlerpaars Gabriela Gerber (*1970) und Lukas Bardill (*1968). Seit 1997 arbeiten die beiden zusammen und untersuchen Themen der voralpinen Landschaft. Mit ihren zeichnerischen Videoanimationen, Fotografien und Objekten betätigen sie sich lustvoll im Unschärfebereich, um das Täuschungs- und Wahrnehmungspotenzial des bewegten Bilds auszuloten. Zugleich bietet der undefinierte Raum ihnen die Möglichkeit, im Rahmen von politischen, landschaftlichen oder historisch brisanten Themen frei bildnerisch tätig zu sein. Nach ‹Forum›, 2000, einer ihrer frühesten gemeinsamen Arbeiten, für die sie mehrere Auszeichnungen erhalten hatten, widmeten sich die Künstler kürzlich wieder dem World Economic Forum: Während der letzten Konferenztage fotografierten sie das Verkehrsaufkommen kurz vor Davos, dort wo – wie im Fuchsenwinkel – der gesamte Flug- und Strassenverkehr mit den Gästen des WEF vorbeiführt. Durch Langzeitbeleuchtungen der Fahrzeuge in Bewegung sind eigentliche Lichtzeichnungen von poetischer Ausdruckskraft entstanden, die als Print auf Büttenpapier eine weiche Ästhetik aufweisen und im Gegensatz zum üppig inszenierten Zusammentreffen der globalen Wirtschaftsakteure stehen. Mit dem Titel ‹Punkte und Linien› abstrahiert die Serie den politischen Mega-Event und fokussiert auf seinen Verkehr. Im grossen Galerieraum ist eine weitere Lichtzeichnung, nun aber als Fantasie, vorzufinden: Mit zwei Beamern werden Videoanimationen auf einen Wurzelstock geworfen, der sich in der Projektion auf der Wand und auf seinen eigenen Schatten verselbständigt und im Raum wandert. Das zerfurchte Objekt erhält ein eigenes Dasein, wie von unvorhersehbaren Naturkräften in Bewegung versetzt. Eine selbständige und ephemere Präsenz verleihen Gabriela Gerber & Lukas Bardill auch dem Dachs, der nachts ihren Kompost aufsuchte und nun in einer Videoprojektion› unaufhörlich schnuppert, schabt, knabbert und schliesslich wieder aus dem Bild verschwindet. 

Bis 
23.09.2019

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