Geografien des Gebirges

Charles L’Eplattier · Jura, Ausstellungs­ansicht Musée des ­Beaux-Arts Le Locle

Charles L’Eplattier · Jura, Ausstellungs­ansicht Musée des ­Beaux-Arts Le Locle

Noémie Goudal · Telluris, 2019, Ausstellungs­ansicht Musée des ­Beaux-Arts Le Locle © ProLitteris

Noémie Goudal · Telluris, 2019, Ausstellungs­ansicht Musée des ­Beaux-Arts Le Locle © ProLitteris

Hinweis

Geografien des Gebirges

Le Locle — Die Archive der seit 1947 einem engagierten Fotojournalismus verpflichteten Agentur Magnum in Paris sind mittlerweile zu einer Goldmine für jegliche sozialen Recherchen geworden. Die Werkblöcke der gegen hundert für die Agentur arbeitenden Fotografen/innen spiegeln die verschiedensten drängenden Themen unserer Welt. Im Moment gastiert ein ikonografisches Projekt, das die Direktorin Nathalie Herschdorfer zusammen mit dem Direktor des Forte die Bard unweit von Aosta, Pietro Giglio, erarbeitet hat, im Musée des Beaux-Arts in Le Locle. Die chronologische Schau umkreist das Ökosystem der Berge, das trotz Stein, Eis und der gestählten Kraft ihrer Bewohner zunehmend fragil geworden scheint. Die zweireihige Accrochage gerät so zu einem Appell der Bergler und Berglerinnen aller Kontinente, ihren spärlichen Lebensraum nicht durch touristische Übernutzung und Raubbau zu zerstören. Klug verweist die Schau zugleich auch auf die jedem Quellenkorpus innewohnenden Darstellungslücken, ist sie doch überraschend sparsam besetzt. Vier monografische Räume machen den Bezug zur Landschaft als eine Frage des Blicks deutlich. Zuerst werden zwei Künstler einander gegenübergestellt, die beide bei ihrer Arbeit tödlich verunfallten. So der Zürcher Magnumfotograf Werner Bischof, der in den Anden, kurz nachdem er 1954 den mittlerweile weltberühmt gewordenen flötenspielenden Indianerjungen knipste, bei einem Autounfall ums Leben kam. Der zweite ist der Neuenburger Art Nouveau-Vertreter und Lehrer von Le Corbusier, Charles L’Eplattenier, der in den Jurabergen über eine Klippe stürzte. Zwei zeitgenössische Positionen thematisieren aktuelle Anliegen. Der deutsche Fotograf Henrik Spohler spürt in dem unter Schutz gestellten Parc du Doubs den Grenzen nach, die sich der Mensch hier bei der Bewirtschaftung und Gestaltung setzt, damit sich die Natur wieder erholen kann. Das mit Fotografien von künstlich konstruierten Landschaften besetzte Lattengerüst ‹Telluris› der französischen Fotografin Noémie Goudal lotet dagegen die Komplexität der Vermessung unserer Umwelt aus – einer Umwelt, die, wenn auch selten spürbar, doch unentwegt in Bewegung ist. 

Bis 
13.10.2019

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