Mai-Thu Perret

Mai-Thu Perret · Eventail des caresses (Cœur), Bronze, 2018. Foto: Annik Wetter

Mai-Thu Perret · Eventail des caresses (Cœur), Bronze, 2018. Foto: Annik Wetter

Mai-Thu Perret · Les Guérillères XIII, Mannequin aus Pappmaché, Bronzestiefel, Gewehr aus Harz, Kunstperücke, Buch, Teppich, 2018, Ausstellungsansicht ‹Grammar and Glamour›, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin. Foto: Stephan Baumann

Mai-Thu Perret · Les Guérillères XIII, Mannequin aus Pappmaché, Bronzestiefel, Gewehr aus Harz, Kunstperücke, Buch, Teppich, 2018, Ausstellungsansicht ‹Grammar and Glamour›, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin. Foto: Stephan Baumann

Hinweis

Mai-Thu Perret

Karlsruhe — Von der Decke hängen ein Herz, ein Uterus und andere menschliche Organe aus Bronze, an den Wänden Keramikreliefs und geometrisch-abstrakte Zeichnungen während der Boden von einer liegenden Frauenfigur mit griffbereitem Gewehr sowie einem übermannshohen, ausladenden Baumstumpf okkupiert wird. Das Spektrum an Genres, Techniken und Materialien von Mai-Thu Perret (*1976) ist beachtlich, und die Ausstellung ‹Grammar and Glamour› im Badischen Kunstverein in Karlsruhe fährt die ganze Vielfalt der in Genf lebenden und lehrenden Schweizer Künstlerin mit französisch-vietnamesischen Wurzeln auf. Es ist Mai-Thu Perrets bislang umfangreichste Ausstellung in Deutschland. Die auf einem Teppich liegende und in ein Buch des französischen Künstlers und Aktivisten Ivan Chtcheglov vertiefte Frau mit Maschinengewehr im ersten Saal entstammt der Werkgruppe ‹Les Guérillères›. Der Titel zitiert das gleichnamige Buch von Monique Wittig aus dem Jahr 1969, das für den französischen Feminismus grundlegende Bedeutung erlangte. So ist die lesende Figur eine Schwester im Geiste der Bewohnerinnen der Kommune «New Ponderosa» in Perrets Langzeitprojekt ‹Chrystal Frontier›, seit 1999, welche die Utopie einer neuen Gesellschaft frei von sozialen Zwängen und Patriarchalismus anstreben. Die gerahmten Textarbeiten stammen daraus. Eine weitere wehrhafte Frauenfigur in Mai-Thu Perrets künstlerischem Kosmos gerade der letzten Jahre ist die Hexe. Von ihr liess sie sich zu mehreren aktuellen Arbeiten inspirieren: etwa den Tiermasken im Grossen Saal, die auf die Fähigkeit von Hexen verweisen, sich in Tiere zu verwandeln. Diese Tiermasken säumen eine künstliche Landschaft mit Rampe, Kegel und Baumstumpf und verweisen ebenso wie die landschaftlichen Requisiten auf Okkultismus und Spiritualismus. So bezieht sich der Kegelstumpf auf eine Plattform zur Mondbeschauung in einem Tempel in Kyoto. Auch die von der Decke hängenden Organe sind aufgeladen mit feministischer und zugleich spiritueller Bedeutung. Das trifft selbst noch auf die abstrakten Zeichnungen und Reliefs zu, die wie auf den Konstruktivismus auf eine weibliche und spirituelle Spielart der Abstraktion – man denke an Hilma af Klint – verweisen. 

Bis 
15.09.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
GRAMMAR AND GLAMOUR 12.07.201915.09.2019 Ausstellung Karlsruhe
Deutschland
DE
Autor/innen
Hans-Dieter Fronz
Künstler/innen
Mai-Thu Perret

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