Silvia Bächli, Eric Hattan

Silvia Bächli · Gipsobjekte bemalt, 2018. Foto: H. Schindler

Silvia Bächli · Gipsobjekte bemalt, 2018. Foto: H. Schindler

Eric Hattan · Dogslife, 2003, Videostill

Eric Hattan · Dogslife, 2003, Videostill

Hinweis

Silvia Bächli, Eric Hattan

Karlsruhe — Silvia Bächli und Eric Hattan sind seit über vierzig Jahren ein Künstlerpaar. Ihre Arbeiten haben sich eigenständig, aber nicht komplett unbeeinflusst voneinander, entwickelt. Das kommt bei einem gemeinsamen Auftritt in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe nun kongenial zum Ausdruck. Die langjährige Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Biennale Künstlerin von Venedig 2009 überrascht mit einer Fülle von neuen Arbeiten. Vorab zeigt sie aber in einer 16 m langen Vitrine Körperzeichnungen aus den Jahren 1983 bis 2018: Augen, Figuren mit hängendem Kopf, Strichmännchen oder Wörter, die sich auftürmen, als wärs ein buchstabengewordenes Selbstporträt: «Beine, Füsse, Schuhe, Knüüsi» steht da etwa geschrieben und man fühlt sich in die Kindheit zurückversetzt, als der anstehende Frühling endlich das Tragen von Kniestrümpfen versprach. Am Ende des Saals finden sich still und poetisch vier kleine Gipsobjekte. Es sind zufällig aus einer Baustellenwand herausgebrochene Teile, welche die Künstlerin mit zarten Farben und weissen Leerstellen in kantige Büsten verwandelt. Waren Gipsköpfe je sympathischer? Doppelblätter mit smaragdgrünem, rotem oder braunem Pinselstrich wechseln sich in der Folge mit Gouachen ab, die in kurzen Setzungen auf fast tänzerische Bewegungen des Pinsels schliessen lassen. Silvia Bächli, bekannt für ihre in allen Grauschattierungen geschaffenen Papierarbeiten, ist während eines Londoner Stipendienaufenthalts in der wettertrüben City auf die Farbe gekommen. Auch so: grossartig. Mit einer Bretterinstallation greift Eric Hattan, der Mann der witzigen «Um-Ordnungen» von Mobiliar und Krempel, ins Geschehen ein: In zwei Tagen sammelte er 200 weisse Abfallregale vor Ort und tapezierte damit den grünen Saal der Staatsgalerie, während seine Partnerin mit mittig gezogenem Pinselstrich dem Baustellen-Puzzle optisch Halt gibt. Er präsentiert im Weiteren achtzehn Videos und zeichnet mit Kamerafahrten in peripheren Zonen eigene Linien: gerasterte Häuserfassaden mit Fensterputzern, die sich unfreiwillig komisch abmühen, einfallendes Sonnenlicht, das auf dem Boden eine gleissend helle Gerade zieht oder den Zickzackkurs, den ein streunender Hund beim todesmutigen Überqueren einer Verkehrsstrasse hinlegt. Keine Frage, das Tier ist der Publikumsliebling in dieser wunderbaren Doppelausstellung, in der die Meisterin des reduzierten Strichs und der Künstlerflaneur einander ideal ergänzen.

Bis 
29.09.2019

→ Staatliche Kunsthalle, bis 29.9.; Lesung mit Ilma Rakusa, 15.9., 16 Uhr: Performance mit Eric Hattan und Julian Sartorius, 19.9., 19 Uhr
www.kunsthalle-karlsruhe.de

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